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Marginalia

Die Welt – eine gut geölte Maschine

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 34/9, 335 (1996).

Der freie Blick in die Unendlichkeit des Himmels offenbart den Menschen ein regelmäßig wiederkehrendes, mit präziser Gleichförmigkeit ablaufendes Geschehen. Auf den Himmel kann man sich verlassen. Der Gedanke, daß auch die Vorgänge auf der Erde, ja, das eigene Leben wider allen Augenschein auf ähnliche Weise determiniert, die Welt also in ihrer Gesamtheit als eine Maschine, ein Mechanismus anzusehen seien, hat die Menschen von jeher fasziniert. Schon Plato vergleicht das Weltganze mit einer riesigen Spindel und spinnt die Analogie mutig fort: Wenn die Seelen ihr Lebenslos wählen ist das Schicksal des Weltganzen und des einzelnen eng miteinander verbunden, eben wie der Spinnfaden und die Spindel. Diese Metapher bezieht sich sowohl auf die Funktion wie auf die Form. Der wulstige Spulenring setzt sich aus den Scheiben der Planetenbahnen, der Fixsternbahnen und der Mondbahn zusammen. Mitten durch die Scheiben zieht sich Plato zufolge die Weltachse hindurch, die sich wie eine Spindel „im Schoße der Notwendigkeit (ananke) dreht“. Daran ist dann das Lebenslos, der Lebensfaden des einzelnen Individuums festgebunden.

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