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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Physik und Kultur

Wie frei ist der freie Fall?

Schlichting, H. Joachim. In: Sumfleth, Elke (Hrsg.): Chemiedidaktik im Wandel – Gedanken zu einem neuen Chemieunterricht. Münster: Lit- Verlag 1999, S. 255-277.

Es gehört für die Newtone, in dem Sturz eines Apfels
die Ordnung des Weltsystems zu finden
Johann Gottfried Herder

Der freie Fall ist ein besonderer Fall des Lehrens und Lernens und damit des Verstehens von Physik schlechthin. Obwohl und weil er von „fertigen“ Physikern als einfach angesehen wird, bereitet er Laien große Schwierigkeiten, die weniger in den fachwissenschaftlichen Anforderungen begründet sind, als vielmehr in den stillschweigenden Voraussetzungen, die bei der Konzeptualisierung des freien Falls zugrundegelegt werden müssen. Der Fall wird nicht einfacher dadurch, daß wir im Alltag mit zahlreichen Fällen zu tun haben, denn der freie Fall ist kaum dabei, eher ist das Gegenteil der Fall.
Der freie Fall ist ein Idealfall. Er ist es zum einen im wissenschaftstheoretischen Sinne. Die verschiedensten Erscheinungen, von denen manche erst auf den zweiten Blick überhaupt als etwas Fallendes zu erkennen sind, werden physikalisch auf den freien Fall zurückgeführt, indem die phänomenologischen Abweichungen vom Idealfall durch das Vorhandensein äußerer Einflüsse (z.B. der Luftwiderstand) wegdiskutiert werden. Zum anderen ist der freie Fall auch im fachdidaktischen Sinne ideal, weil an ihm die Lernschwierigkeiten der Schülerinnen und Schüler, die mit der Überwindung der Differenz zwischen lebensweltlicher und physikalischer Sehweise zusammenhängen, an einem experimentell relativ einfachen, umfassend zugänglichen und überschaubaren Fall erfahrbar gemacht und erörtert werden können.

PDF: FreierFal

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