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Marginalia

Hypnotisierende Empirie

Die Geisteswissenschaften (suchen) die Naturwissenschaften nachzuahmen. Angesichts des Ausmaßes ihrer Bürokratisierung, ihrer Finanzierung, mit ihrem eifrigen Anspruch auf theoretische Strenge und kumulative Entdeckung streben unsere Universitäten und die Institutes of Advanced Study besessen danach, es den hochfliegenden schönen Fortschritten der exakten und angewandten  Wissenschaften gleichzutun. Dieses Bestreben und der daraus folgende trügerische Begriff von Forschung liegen ihrerseits im Positivismus und SZIENTISMUS des 19. Jahrhunderts begründet. Sie äffen die Ansprüche auf exakte WISSENSCHAFT nach – also KENNTNIS, DIE AUF WISSENSCHAFT BERUHT, ERKENNTNISSE, DIE IRGENDWIE VERIFIZIERBAR IST, WIE ES WISSENSCHAFTLICHE HYPOTHESEN SIND – wie wir sie bei Comte, bei Ranke finden. Angesichts des phantastischen Erfolges von Mathematik und Naturwissenschaften, ihres Prestiges und ihrer gesellschaftlich-ökonomischen Bevorzugung haben Geisteswissenschaftler und Gelehrte sich hypnotisieren lassen.

Steiner; Georg: Von realer Gegenwart. Hat unser Sprechen Inhalt? Carl Hanser Verlag: Wien 1990

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