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Marginalia

Hier vorne geht sie unter…

IMG_9100arvSonnenuntergänge sind wohl die einzigen erhabenen Untergänge, denen man gern beiwohnt. Auch die beiden Damen auf dem Foto, schauen gebannt auf diesen an sich alltäglichen Vorgang. Andere finden den Sonnengang einfach nur genial:
„Wissen Sie, die Tatsache, daß die Tage enden, ist einfach genial. Ein geniales System. Erst Tage und dann Nächte. Und wieder Tage. Das hört sich banal an, hat aber etwas Geniales. Dort wo die Natur beschließt, sich selbst Grenzen zu setzen, entlädt sich eine Sensation. Sonnenuntergänge. Wochenlang habe ich sie erforscht. Es ist nicht so leicht, einen Sonnenuntergang zu erfassen. Er hat seine Zeiten, seine Ausmaße, seine Farben. Und da nicht ein Sonnenuntergang – nicht ein einziger, sage ich – dem anderen gleich ist, muß man als Wissenschaftler die jeweiligen Besonderheiten zu unterscheiden wissen und das Wesentliche herausarbeiten bis man in der Lage ist zu sagen, dieses ist ein Sonnenuntergang, der Sonnenuntergang schlechthin. Langweile ich Sie?“ (Baricco, Alessandro; Oceano Mare. München, 2001)

Langweilen nicht gerade, aber etwas mehr Gefühl kann man vielleicht doch erwarten, wie es etwa von dem Fräulein zum Ausdruck gebracht wird, das Heinrich Heine in dem folgenden Gedicht ironisierend beschreibt:

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sei’n Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

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