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Marginalia

Gradierwerke – alte Technik im Dienste der Gesundheit

Gradierwerk Bad EssenGradierwerke waren ursprünglich Anlagen, um aus salzhaltigem Wasser (Sole) Salz zu gewinnen. Sie bestehen aus einem mehr oder weniger eleganten Holzgerüst, das mit Reisigbündeln vorwiegend aus Schwarzdorn ausgefüllt wurde. Indem die Sole durch das Reisig rieselt wird es in Tropfen zerlegt. Dadurch erhöhen sich die Oberfläche des Wassers und damit die Verdunstungsrate drastisch. Da hauptsächlich reines Wasser verdunstet, wird die Konzentration des Salzes erhöht. Die Sättigung der Sole ist Voraussetzung für die Salzgewinnung, indem sie durch Verdunstung des restlichen Wassers an der Sonne oder durch Sieden schließlich in Kochsalzkristalle überführt wird.Gradierwerk Bad Essen 2
Bei der Gradierung der Sole in einem Gradierwerk lässt sich nicht vermeiden, dass die Umgebung von einem Nebel kleiner Tröpfchen erfüllt ist, die ihrerseits Spuren des Salzes enthalten. Die Luft ist also salzhaltig. Diesem eigentlich unerwünschten – da mit Verlust von Salz verbundenen – Nebeneffekt haben wir es zu verdanken, dass es die für die Salzgewinnung überholte Technik der Gradierwerke heute noch in vielen Kurorten gibt. Denn durch das Einatmen von salzhaltiger Luft wird ein gesundheitlicher Effekt bewirkt ähnlich dem der Meeresluft. Denn salzhaltige Luft bewirkt dass die Atemwege befeuchtet werden. Dadurch werden entsprechende gesundheitliche Beschwerden gelindert. Insbesondere werden die Funktion der Bronchialschleimhaut normalisiert und damit die Anfälligkeit für Infekte reduziert.
Ein besonders gelungenes Beispiel für ein auch ästhetisch ansprechendes Gradierwerk hat der Kurort Bad Essen im Osnabrücker Land vorzuweisen (Abbildung oben). Die sedimentierten salzhaltigen Tröpfchen hinterlassen im Laufe der Zeit eine wachsende Salzschicht auf dem Boden, die von weitem an Raureif oder Schnee erinnert (Abbildung unten).

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