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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Irisierende Farben durch große Hitze

AnlauffarbeWie um den Verlust eines Löffels, der irrtümlicherweise im Feuer gelandet ist, zu vergolden, hat die Natur einem Teil des durchgeglühten Rests eine schöne irisierende Farbe verpasst: eine Anlauffarbe. Dabei handelt es sich physikalisch um Interferenzfarben an dünnen Schichten, wie man sie beispielsweise auch bei Seifenlamellen oder Rissen im Eis vorfindet.
Im vorliegenden Fall ist die Farbe durch Oxidation an der Oberfläche entstanden. An dieser dünnen Oxidschicht findet die Interferenz statt. Die unterschiedlichen Farben geben Aufschluss über die Dicke der Schicht und damit über die Tiefe, bis zu der die Sauerstoffatome in den Stahl hineindiffundiert sind. Weil diese Tiefe von der Temperatur abhängt, der der Löffel ausgesetzt war, können wir an den Farben nachträglich Aufschluss über die Temperaturen gewinnen, die dort geherrscht haben müssen.
So lassen beispielsweise die gelbe Färbung auf eine Temperatur von ca. 200°C und die blaue auf 300°C schließen. Die unbunte (graue) Färbung an anderen Stellen ist ein Hinweise auf so hohe Temperaturen, dass die Oxidschicht zu dick ist, um noch schöne Anlauffarben hervorzubringen.
Bei silbernen Löffeln beobachtet man oft sogar Anlauffarben, ohne dass eine große Hitze nötig ist. Bei ihnen entsteht durch Wechselwirkung z.B. mit Lebensmittel (insbesondere durch Schwefelwasserstoff) an der Luft ein dunkler Überzug, der ebenfalls oft in bunten Interferenzfarben irisiert.

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