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Marginalia

Aurora musis amica – Arno Schmidt zum 100. Geburtstag

DämmerungAurora musis
amica
Arno Schmidt (1914 – 1979) aus: Zettel’s  Traum

Am 18. Januar 2014 wäre Arno Schmidt 100 Jahre alt geworden. Sein schriftstellerisches Werk hat zahlreiche interessante Facetten und setzt einen anspruchsvollen Leser voraus. Eine dieser Facetten ist das große naturwissenschaftliche und mathematische Verständnis des Autors, das sich u.a. in einer großen Sensibilität für Naturphänomene und der Fähigkeit äußert, diese kenntnisreich und erlebnisnah zu beschreiben. Davon zeugen zahlreiche Stellen seines umfangreichen Werks. Die Phänomene werden nicht immer erklärt, weil der Verfasser von einen naturwissenschaftlich vorgebildeten Leser ausgeht. Schmidt scheut auch nicht davor zurück, Aussagen von Schriftstellerkollegen zu hinterfragen, wenn sie in Sachen Naturphänomene etwas behaupten, das so nicht vorkommen kann. Hier eine Passage aus „Rollende Nacht“:
Und wir besahen zusammen eine Zeit lang den mageren Mond, der sich im weiß gestrickten Gewölk einfror. „Könnten Sie mal bei Walter Scott im Original nachsehen“, fiel mir als weitere Bestechung für ihn ein, „da kommt im ‚Herzen von Midlothian‘ das Phänomen vor, dass der volle Mond breit im Nordwesten aufgeht“.
„Warum, gibt’s das nicht? Man ist doch letzten Endes allein.“ – „Nein!“ sagte ich bitter …
Die Frage hätte auch der Leser stellen können, denn der Mond in dieser Situation dürfte den Wenigsten vor Augen stehen. Es ist typisch für Schmidt, den Fragenden mit einem bitteren „Nein“ abzuspeisen.

Diskussionen

3 Gedanken zu “Aurora musis amica – Arno Schmidt zum 100. Geburtstag

  1. In der Schauspielkunst und Romanwelt werden manchmal Charaktere vorgestellt, die es so nicht geben kann.
    Ist das dann dichterische Freiheit oder einfach Unkenntnis?

    Verfasst von kopfundgestalt | 2. August 2022, 10:55
    • Schmidt, der sich in den Naturwissenschaften gut auskannte, ließ es nicht zu, Falsches zu schreiben, wenn es keine dichterische Funktion hatte, sondern einfach Unkenntnis. Auch wenn den meisten Lesern solcher Falschbeschreibungen gar nicht auffällt. Das war sein Prinzip…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 2. August 2022, 16:56

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  1. Pingback: Das Schmidtsche gab es schon früher | Die Welt physikalisch gesehen - 30. November 2017

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