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Marginalia

Wo befindet sich der Regenbogen?

Regenbogen-ganz-nah-rvDer Regenbogen wird oft wie ein Gegenstand angesehen, der sich am Himmel wölbt und mit seinen Enden auf der Erde fußt. Bekanntlich soll ja an diesen Stellen ein Schatz verborgen sein, den bislang jedoch niemand hat heben können. Warum wohl?
Doch manchmal scheint der Bogen ganz nah zu sein, wie auf dem Foto. Die Regentropfen, durch die der Bogen hervorgerufen werden, befinden sich offenbar noch vor den Bäumen, auf die der Bogen projiziert erscheint.
Wenn man mit der tiefstehenden Sonne im Rücken im Wasser schwimmt, kann man Miniregenbögen zu Gesicht bekommen. Sprüht man mit dem Mund Wasser in feinen Tropfen vor sich her, so tritt kurzfristig ein Regenbogen in Erscheinung. Ein Bogen? Nein, wenn man genau beobachtet sind es sogar zwei sich überlappende. Jedes Auge nimmt einen eigenen Bogen wahr.
Die Frage, wo sich der Bogen befindet, ist aus physikalischer Sicht müßig. Sie ist ebenso abwegig oder angemessen wie die Frage nach dem Ort eines Spiegelbildes. Auch wenn man sich damit behelfen kann zu sagen, das Spiegelbild sei genauso weit hinter dem Spiegel wie der gespiegelte Gegenstand davor und dies auch durch Messung nachweisen kann, muss man zugeben, dass die dadurch ins Leben gerufene Spiegelwelt virtuell ist. Sie ist nicht betretbar, wenn man einmal von der märchenhaften Alice hinter den Spiegeln absieht.
Auch der Regenbogen ist ein von vielen, wie kleine Hohlspiegel wirkende, Tropfen entworfenes Bild der Sonne. Es ist allerdings so verzerrt und durch Farben „entstellt“, dass man es schwerlich als solches erkennt. Die Farben entstehen dadurch, dass das Licht durch die zweimalige Brechung beim Durchqueren der Tropfen in Spektralfarben zerlegt wird.
Die Eigenschaft des Spiegelbildes kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass jeder Mensch seinen „eigenen“ Bogen betrachtet, so wie zwei Menschen, die in einen Spiegel schauen, ganz andere Ausschnitte der gespiegelten rückwärtigen Welt zu Gesicht bekommen.
Es wäre vielleicht übertrieben zu sagen, der Regenbogen befände sich – wie jedes Spiegelbild auch – im Auge des Betrachters. Denn das gilt streng genommen für jeden direkt wahrgenommenen Gegenstand. Aber der Gedanke, dass man den gespiegelten Gegenstand (beim Regenbogen die Sonne) über Umwege selbst sieht, dürfte der Sache wohl am nächsten kommen – jedenfalls aus physikalischer Sicht.

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  1. Pingback: Wie heilig ist der Heiligenschein? | Die Welt physikalisch gesehen - 7. Mai 2017

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