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Marginalia

Wege 5: Schleimspur in irisierenden Farben

irisierende_schleimspur_dscManche Wege sind ungewöhnlich, dazu gehört wohl auch der Weg vieler Schnecken, die gewissermaßen ihren eigenen Schleimteppich auslegen, auf dem sie sich dann fortbewegen. Auf diese Weise machen sie sich unabhängig von der Art des Untergrunds. Sie können selbst über scharfkantige Gegenstände hinweggleiten. Nun ist Schleim in den meisten Fällen negativ konnotiert, sowohl im tatsächlichen wie im übertragenen Sinn. Und schleimige Nacktschnecken werden als eklig empfunden. Folgt man jedoch ihren schleimigen Spuren, so kann man etwas sehr Schönes beobachten: eindrucksvolle, irisierende Farben.
Der Schleimweg der Schnecke wird anders als bei einem Kettenfahrzeug nach der Benutzung nicht wieder eingezogen, um zyklisch wiederverwendet zu werden. Er wird zurückgelassen und trocknet anschließend zu einem sehr dünnen transparenten Film ein. Es versteht sich von selbst, dass dieser Film so dünn, wie möglich ist, damit die Schnecken mit dem körpereigenen Material genügenden lange Wege zurücklegen können.
Die Schichtdicke ist von der Größenordnung der Wellenlänge des sichtbaren Lichts. Das auf diese transparente Schicht auftreffende Licht, wird an der oberen Grenzschicht teilweise reflektiert. Der nicht reflektierte Teil des Lichts durchdringt den transparenten Schleimfilm und trifft auf die untere Grenzschicht zwischen Schleimschicht und Luft. Es wird dort abermals teils durchgelassen und teils reflektiert. Der reflektierte Teil des Lichts läuft zurück und trifft sich mit dem bereits an der oberen Grenzschicht reflektierten Licht im Auge des Betrachters (Abbildung unten).
Das an der optisch dichteren Schicht reflektierte Licht erleidet einen Phasensprung von einer halben Wellenlänge und das an der unteren GrenzscSkizze Dünne Schichthicht reflektierte Licht legt einen längeren Weg zurück, so dass sich insgesamt eine Phasendifferenz zwischen beiden Teilstrahlen ergibt, deren Größe von der Schichtdicke, dem Brechungsindex des getrockneten Schleims, dem Einfallswinkel und der Wellenlänge des Lichts abhängt.
Wenn das Licht zweier sich überlagernder Strahlen einer bestimmten Wellenlänge in Phase ist, also Wellenberge und Wellentäler genau zusammenpassen, rufen sie einen hellen Reflex hervor (konstruktive Interferenz). Wenn sie nicht in Phase sind, löschen sie sich teilweise oder ganz aus (destruktive Interferenz).
Dadurch ändert sich die farbliche Zusammensetzung des Sonnenlichts, so dass aus dem Rest der Farben eine andere Mischfarbe als Weiß entsteht. Die unterschiedlichen Farbstreifen auf der dünnen Schleimschicht lassen daher Rückschlüsse auf die variierende Schichtdicke zu. Die Interferenzstreifen werden auch Interferenzen gleicher Dicke genannt, weil für alle Stellen gleicher Dicke die Interferenzbedingungen gleich sind, so dass dort dieselbe Farbe zu sehen ist, sofern man den gleichen Blickwinkel einnimmt.

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