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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Tröstung für Teetrinker

Grünteerisse-rvTee schmeckt am besten heiß und mit weichem Wasser, das verhältnismäßig wenig gelösten Kalk enthält. Wer nicht über kalkarmes Wasser verfügt und den Aufwand scheut, das Wasser zu filtern oder destilliertes Wasser zu benutzen, kann sich jedoch damit trösten, dass der Tee, nachdem er abgekühlt ist, farbenprächtige Strukturen auf seiner Oberfläche hervorbringt. Dazu muss sie oder er nur das dünne Häutchen, dass sich auf der Oberfläche des Tees gebildet hat unter geeigneter Beleuchtung betrachten. Wenn dann die Tasse etwas geschüttelt wird, zerbricht der Belag in einzelne Teile, die an Eisschollen auf einem Bach erinnern. Zugegeben, eine gewisse synästhetische Empfindungsgabe ist schon nötig, um den einen durch den anderen Genuss zu ersetzen. Und wer dann auch noch fragt, wie es zu diesen Farbstrukturen kommt, hat ein (physikalisches) Problem:
Beim Abkühlen des Tees setzt sich auf der Oberfläche ein sehr dünner Belag ab, der sich vermutlich einer Reaktion des im Wasser gelösten Kalks mit Inhaltsstoffen des Tees (meiner Beobachtung nach vornehmlich bei grünem Tee) verdankt. Dieser Belag ist semitransparent, so dass das Licht zu einem Teil absorbiert und zu einem anderen Teil sowohl auf der oberen als auch der unteren Grenzschicht des Belags reflektiert wird. Die reflektierten Teilwellen weisen aufgrund des geringfügig unterschiedlichen Weges zur Netzhaut oder zum Kamerachip einen charakteristischen Gangunterschied auf und können miteinander interferieren. Je nach Gangunterschied und Wellenlänge kann es zu Verstärkungen und Auslöschungen der Lichtwellen kommen. Dadurch fehlt dem weißen Licht eine farbige Komponente oder eine solche wird verstärkt. In jedem Fall resultieren entsprechende Farberscheinungen. Die Farben changieren, wenn man aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf die dünne Schicht blickt. Der Farbunterschied zwischen verschiedenen Bereichen der Schicht (bei unveränderter Blickrichtung) ist auf geringfügige Schwankungen der Dicke der Schicht zurückzuführen.

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