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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Im Jahr des Lichts (26) – Eins, zwei, drei…unendlich

KerzenunendlichkeitMit dem 1. Advend beginnt die Zeit der Lichter insbesondere in Gestalt von Kerzenflammen und damit zumindest im christlichen Kulturkreis eine imaginierte Verbindung von Diesseitigem und Jenseitigen, von Endlichem und Unendlichem. Das symbolisieren die in dem Foto abgelichteten drei Teelichter, indem sie uns auf ziemlich unspektakuläre Weise zugleich einen Blick  in die Virtualität und Unendlichkeit bzw. virtuelle Unendlichkeit erlauben. Möglich wird dies durch ein Design-Objekt, das zum Beispiel unter dem Namen „der unendliche Teelichthalter“ erhältlich ist und im Wesentlichen aus zwei parallelen Glasscheiben besteht, zwischen denen einige Teelichter platziert werden. Durch das Hin- und Herspiegeln des Lichts zwischen den Glasscheiben entwickelt sich scheinbar ein Blick in den tiefen Schacht einer unendlichen Lichterkette, der theoretisch (ohne Absorption des Lichts in den Scheiben und anderswo) sogar unendlich tief wäre. Die dunkle Tönung sorgt dafür, dass Störlicht von außen weitgehend unterdrückt wird und die Reflexionen deutlich hervortreten. Das Phänomen übt einen eigentümlichen Reiz auf den Betrachter aus, der ja mit einem Blick sowohl die langen Flammenreihen wie die schlichte Anwesenheit von nur einer realen Kerzenreihe und damit einen vermeindlichen Widerspruch erfasst.
Ein weiteres interessantes Detail erschließt sich dem aufmerksamen Beobachter, wenn er feststellt, dass beim Blick in die Unendlichkeit das weiße Licht zum Ende hin eine zunehmende Grüntönung annimmt. Im vorliegenden Fall erscheinen die Flammen bereits nach der dritten Reflexion grün. Dieser Effekt ist darauf zurückzuführen, dass Glas (auch ohne die dunkle Tönung) nicht vollkommen transparent ist, sondern einen winzigen Teil des weißen Kerzenlichts (die Komplementärfarbe von grün) absorbiert, und daher eine schwache Eigenfarbe aufweist. Diese Farbe würde aber erst dann sichtbar werden, wenn man durch ein genügend dickes Glas blickte, was z.B. dann der Fall wäre, wenn man mehrere normale Scheiben übereinander stapelte oder auf die Kante einer Glasscheibe schaute. Dass diese Grünfärbung auch beim Blick in die Unendlichkeit zu sehen ist, beruht darauf, dass das Licht aufgrund der zahlreichen Hin- und Herreflexionen die Scheibe mehrere Male und damit in der Addition virtuell eine dicke Scheibe durchläuft. Bei jeder Reflexion verliert das weiße Licht die Komplementärfarbe von Grün, so dass immer mehr Grün zurückbleibt und schließlich dominiert.
Auffällig ist, dass die Flamme der beiden äußeren Kerzen sich jeweils zur Mitte neigt. Dafür sind die Ströme der aufsteigenden heißen Luft der drei Kerzen verantwortlich, die sich zu einem einzigen größeren Gasstrom über der mittleren Kerze vereinigen. In diesem Strom beschleunigter heißer Gase ist der Druck niedriger als der Druck der umgebenden Luft, wodurch der Strom von den Seiten her zursammengedrückt wird.

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Diskussionen

4 Gedanken zu “Im Jahr des Lichts (26) – Eins, zwei, drei…unendlich

  1. Wo kriegt man diesen Kerzenvervielfacher?

    Verfasst von Lichtfarben | 29. November 2015, 09:02

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  1. Pingback: Spielend und spiegelnd zum Unendlichen | Die Welt physikalisch gesehen - 13. Juni 2016

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