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Marginalia

Enten schwimmen ohne das Archimedische Prinzip zu kennen

Schwimmen-IMG_4633aKaum jemand wird an das Archimedische Prinzip erinnert, wenn er eine Ente nicht nur im Wasser, sondern auch in einem Meer von Lichtreflexen eingetaucht schwimmen sieht. Der Kontrast zwischen lebensweltlicher und physikalischer Sehweise könnte kaum größer sein als auf diesem Foto. Und dennoch halte ich es unter bestimmten Bedingungen für denkbar, von einem solchen Foto auszugehen, um beim Archimedischen Prinzip zu landen. Denn nur so gelingt es, dem Alltäglichen den physikalischen Aspekt abzuringen und sich der Differenz zwischen Physik und Welt eingedenk zu bleiben. Das Ansinnen, die physikalischen Zusammenhänge als die eigentliche und einzige Realität zu erweisen, laufen letztlich Gefahr, dass sich Lernende von der Physik abwenden. Zu den  Bedingungen, unter denen eine derartig problemorientierte Lehre möglich ist, gehört vor allem genügend Zeit zur Diskussion.
In der folgenden Passage von Hans Aebli (1923 – 1990) wird vor allem der konstruktive Charakter der physikalischen Begriffsbildung zum Ausdruck gebracht:

Der Begriff des „archimedischen Prinzips“ als wissenschaftlicher Begriff  setzt einen Konstruktionsprozeß voraus, wenn man ihn verstehen will. Man muß sich Gedanken machen über das Verhältnis des Volumens eines Körpers und seinem Gewicht. Ferner bedarf es zumindest der Erfahrung, daß Körper gleicher Form und Größe, die aber aus unterschiedlichen Substanzen bestehend, unterschiedliche Gewichte haben. „Denn wo wir einen Begriff (Volumen, Gewicht, Dichte) gebildet haben, da haben wir eine Erscheinung (Schweben, Schwimmen, Sinken)“im Griff“. Wir haben sie aus dem Vielerlei der Eindrücke (Enten schwimmen auf dem See, Segelschiffe, Flaschenpost, usw.), die uns begegnen, herausgelöst. Wo sie uns wiederbegegnet, vermögen wir sie wieder zu identifizieren.  Der Begriffsinhalt, d.h. die wesentlichen Zusammenhänge (Dichte der Körper größer, kleiner, gleich Wasser), sind im Begriff (der Dichte) zusammengefaßt, sozusagen verpackt: sie zerrinnen uns nicht mehr zwischen den Fingern und entgleiten uns nicht mehr so leicht. Mit einem gefaßten Begriff kann man auch umgehen: die Verpackung hat ihn handlich gemacht. (Hans Aebli: Zwölf Grundformen des Lehrens. Stuttgart: Klett 1983).

 

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