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Marginalia

LichtSicht – Projektions-Biennale in Bad Rothenfelde

Lichtsicht-1Der niedersächsische Kurort Bad Rothenfelde ist u.a. für sein historisches Gradierwerk bekannt. Anders als bei der in einem früheren Beitrag beschriebenen Anlage rieselt hier das Salzwasser über  mehr als 1000 m lange und 11 m hohe, mit Schwarzdornzweigen drapierte Wände hinab und überziehen die Zweige u.a. mit einer rustikalen Kruste aus Kalk- und Eisenablagerungen. Diese Anlage sorgt nicht nur für gesunde Inhaltsstoffe in der Luft, sondern lädt optisch und akustisch zum Verweilen und meditativen Betrachten ein.
Seit einigen Jahren wird das Gradierwerk auch in der Dunkelheit zum Leben erweckt, indem es in den Wintermonaten (dieses Mal vom 18. September 2015 bis zum 7. Februar 2016) als Leinwand für künstlerische Lichtinstallationen genutzt wird. Mehr als 50 lichtstarke Beamer projizieren einen bewegten Bilderbogen auf die rauen, feucht-glitzernden und durch die Ablagerungen gemusterten Wände. Sie schaffen auf diese Weise ein einzigartiges Lichtspektakel, das teilweise auch akustisch untermalt wird.

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Ich habe diese Biennale vor einigen Tagen bei leichtem Nieselregen besucht und war besonders von der Prozession schattenhafter Figuren in More Sweetly Play the Dance von William Kentridge (*1955) beeindruckt, der in dieser Installation mehrere Medien, Video, Theater, Tanz, Schattenspiel, Computeranimation, Projektion und Musik zu einem faszinierenden Spektakel vereinigt hat (nächstes Foto). Siehe auch: Video

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Auch die anderen Aktionen mit ihren Motiven zwischen epischer Erzählung und lyrischer Stimmung luden zum längeren Verweilen ein. Die hier abgebildeten Fotos können nur einen sehr oberflächlichen Eindruck von dem wirklichen Geschehen wiedergeben und sollen daher nur für sich sprechen (nächste Fotos).

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Es gab auch eine Installation, bei der in einem Teich eine springbrunnenartig sprudelnde Wasserwand als Projektionsschirm diente. Der besondere Reiz lag für mich im eigenartigen Kontrast der bewegten Szenerie des farbig gischtenden Wassers und der Reflexionen auf der vergleichsweise ruhigen Wasseroberfläche des Teichs (nächstes Foto).

Lichtsicht-5Der feine Nieselregen störte nur wenig. Vielmehr gab er dem Ganzen eine zusätzliche Dimension, indem das von den Beamern zur Projektionswand gestrahlte Licht in alle Richtungen gestreut und die Lichtstrahlen von der Seite her sichtbar wurden. Die auf der Leinwand zu beobachteten Ereignisse spielten sich in diesem dreidimensionalen Lichtkörper als abstrakte Struktur- und Farbwechsel ab und wurden so zu einem unbeabsichtigten Epiphänomens mit künstlerischen Qualitäten (nächstes Foto).

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