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Marginalia

Ein Bild aus alten Zeiten

KindheitserinnerungEin Frühlingsbild wie aus Tagen meiner Kindheit: Das Wintergetreide wächst in sattem Grün und wird fast täglich höher. Der Raps bringt seine ersten gelben Blüten hervor und der einsame Kirschbaum steht in voller Blüte. Im Hintergrund ist eine Stromleitung zu sehen. An den damals noch hölzernen „Telegrafen“-Masten haben wir Kinder unser Ohr gelegt und der sphärischen Klänge gelauscht, die der Wind wie auf einer Aeolsharfe spielend in den erzwungenen Schwingungen der Drähte erzeugte und die in den als Resonanzkörper fungierenden Masten so verstärkt wurden, dass man sie hören konnte. Die Melodien waren gleichförmig und ohne besondere Höhen und Tiefen aber dennoch von faszinierender Eindringlichkeit. Irgendwie gehörten sie mit zum Sound der damaligen Zeit.
Heute sind diese Musikinstrumente zumindest in Deutschland so gut wie ausgestorben. Die elektrische Energie wird durch Erdkabel in die Häuser transportiert und wenn man denn in ländlichen Gegenden noch „Telegrafenleitungen“ findet, sind es einzelne dicke, isolierte Kabel, die die glockenförmigen Isolatoren überflüssig gemacht haben und die der Wind wegen ihrer großen Masse nicht mehr so in Schwingung zu versetzen vermag, dass es zu Aeolharfen – Klängen kommt.

Es gibt Momente, da besitzt die Vergangenheit eine so ungeheure Kraft,
dass man beinahe meint, sie könnte einen auslöschen.
John Banville (*1945)

 

 

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