//
Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Das kleinste Haar wirft einen Schatten

Filigrane_SchattenMit dieser Feststellung Johann Wolfgang von Goethes im Rücken, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass Schatten oft unterschätzt werden. Vor allem dann, wenn man sie auf  negative Projektionen von Gegenständen reduziert, die das Licht, in dem sie stehen, ihrer Silhouette entsprechend ausblenden. Schatten sind mehr als das und zwar im tatsächlichen wie im übertragenen Sinn.
So haben wir beispielsweise viele astronomische Kenntnisse über den „Bau der Welt“ der Beobachtung von Schatten zu verdanken. Und wer würde schon gern auf ein schattiges Plätzchen verzichten, wenn die Sonne vom Himmel brennt.
Schatten sind aber auch negativ konnotiert. Man denke etwa an Pflanzen, die im Schatten nicht gedeihen. Dies gilt erst recht für die metaphorische Dimension. Wenn jemand ein Schattendasein fristet, so ist das kümmerlich und die Schattenwirtschaft ist den Finanzministern ein Dorn im Auge. Die Beschattung verdächtiger oder unverdächtiger Personen hat meist einen strafrechtlichen Hintergrund, auch wenn dieses in jüngster Zeit eher zu einer High-Tech-Angelegenheit geworden ist.
Wie auch immer: „Wo viel Licht ist, ist starker Schatten“, lässt Goethe seinen Götz von Berlechingen sagen. Es geht also einfach nicht ohne Schatten. Peter Schlemihls Verlust seines Schattens und seine Bemühungen, ihn wieder zu erlangen, bringen dies auf eindrucksvolle Weise zum Ausdruck. So ist es nicht verwunderlich, dass selbst ein Haar oder wie in unserem Fall der gefiederte Flugapparat in Leichtbauweise eines Diestelsamenkorns einen Schatten wirft.
Man sollte jedoch nicht verschweigen, dass Schatten auch oft ein verzerrtes Bild des Schattengebers darstellen. In manchen Situationen hat man es mit Pseudoschatten zu tun. Obwohl Schatten meist als dunkle Begleiter angesehen werden, klären sie so manche Situation auf. Es gibt Situationen, in denen man plötzlich entdeckt, dass man nicht nur einen, sondern sogar zwei Schatten hat, auch wenn der vermeintliche zweite Schatten manchmal gar keiner ist.
Schatten werden oft als schwarz oder grau angesehen, wenn sie in Wirklichkeit blau sind. Die tiefstehende Sonne veranstaltet bei bewölktem Himmel oft ein veritables Schattentheater. Und wer hätte gedacht, dass selbst eine Kerzenflamme einen Schatten haben kann. Kurzum: Schatten können geheimnisvoll sein.

Advertisements

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: