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Marginalia, Physik und Kultur

Glas bricht Licht – ein Urphänomen

Brillierende-GlaskantenrvIm Regierungsviertel in Berlin sieht man zuweilen an sonnigen Tagen, die Kanten der gläsernen Elmente einiger Gebäude in brillanten Farben erstrahlen, deren Reflexe sich oft auch noch im leicht bewegten Wasser malerisch zu immer neuen Farbmustern zusammenfinden. Diese allenfalls als ästhetisch empfundene Phänomen (War es von den Architekten vorausgesehen oder sogar beabsichtigt?) erinnert mich einmal mehr an die Bedeutung der Brechung des Lichts im geschliffenen Glas:
DispersionslichtreflexervAuf einer internationalen Fachtagung zur Didaktik der Physik sollte eine Gruppe von Wissenschaftlern in einem Workshop die 10 wichtigsten Errungenschaften bestimmen, die die wissenschaftlich-technische Welt, so wie wir sie heute kennen, am nachhaltigsten geprägt haben. Es fielen Vorschläge wie: der Laser, der Otto-Motor, die Dampfmachine usw. Mein Vorschlag: die Linse, stieß zunächst auf völliges Unverständnis und ich hatte einige Mühe, ihn zu rechtfertigen. Die wesentlichen Argumente sind in: „Die Welt jenseits der geschliffenen Gläser – Zur Bedeutung des Sehens in der klassischen Physik“ dargestellt.
Fazit: Das stupende Phänomen, dass ein Stück geschliffenes Glas neue Welten eröffnet und zu unerhörten Ansichten, Durchsichten und Einsichten führt, lässt sich aus der schlichten Erfahrung erklären, dass Glas Licht bricht. Ohne geschliffenes Glas gäbe es keine Teleskope, Mikroskope, Brillen und vieles mehr. Hinzu kommen die nichtoptischen technischen Errungenschaften, die ohne die optischen Geräte niemals geschaffen worden wären.

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Diskussionen

5 Gedanken zu “Glas bricht Licht – ein Urphänomen

  1. Höchst interessant. Frage, ist die Lichtbrechung nicht das Resultat des Projektionswinkels ? Hier im Bild scheint ein mindestens 90

    Verfasst von ichkoche- Jacktels Rohkost | 20. Juni 2016, 07:22
    • sorry, war zu unachtsam. Wollte schreiben das die hier im Bild eintreffenden Strahlen aus einem ziemlich hohen Winkel projiziert wurden. Ist eine Lichtbrechung nur bei ähnlichen ungerade Projektion gegeben , oder auch bei gerade Projektion ? Ich meine damit das eine minimale Brechung auch bei gerade Projektion geben könnte , schon alleine aufgrund der Unreinheit des Schliffs. Gruß

      Verfasst von ichkoche- Jacktels Rohkost | 20. Juni 2016, 07:27
      • Die abgeschrägten glatten Kanten der Glasscheiben stellen eine Art Prisma dar. Daran wird das Sonnenlicht gebrochen und in die einzelnen Spektralfarben zerlegt. Das Licht wird also aus seiner ursprünglichen Richtung abgelenkt. Einzelheiten kann man zum Beispiel hier erfahren. Viele Grüße, Joachim Schlichting

        Verfasst von Joachim Schlichting | 20. Juni 2016, 18:02
  2. Vielen Dank. Gruß

    Verfasst von ichkoche- Jacktels Rohkost | 20. Juni 2016, 20:28
  3. Der Vorschlag mit der Linse gefällt mir. Dass einige Überzeugungsarbeit nötig war, um den Vorschlag durchzukriegen, wundert mich auch nicht – Linsen sind so selbstverständlich, dass sie kaum als „technisch“ wahrgenommen werden. Dabei gäbe es ohne Linsen tatsächlich ganz, ganz vieles nicht. Unter anderem Fotos und fotografische Spielereien, und das fände ich besonders schade.

    Verfasst von gnaddrig | 24. Juni 2016, 21:58

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