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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Energie und Entropie, Marginalia, Physik und Kultur

Spuren am Strand

Spuren_am_StrandBei der Erschließung der Vergangenheit und der Welt schlechthin sind wir oft darauf angewiesen, uns mit Spuren auseinanderzusetzen, um sie zu deuten und daraus Erkenntnisse zu gewinnen, die auf andere Weise nicht zu erlangen wären. Diese Spurensuche kann insbesondere in den Naturwissenschaften zu Ergebnissen führen, die man so vielleicht nicht erwartet hätte: „Wir haben an den Gestaden des Unbekannten eine sonderbare Fußspur entdeckt. Wir haben tiefgründige Theorien, eine nach der anderen ersonnen, um ihren Ursprung aufzuklären. Schließlich ist es uns gelungen, das Wesen zu rekonstruieren, von dem die Fußspur herrührt. Und siehe! es ist unsere eigene“, sagt der Physiker Arthur Eddington (1882 – 1944) und will damit zum Ausdruck bringen, „daß da, wo die Wissenschaft am weitesten vorgedrungen ist, der Geist aus der Natur nur wieder zurückgewonnen hat, was der Geist in die Natur heineingelegt hat“ (aus: Time, and Gravitation. Cambridge 1920). Wir entdecken immer wieder die Spuren unserer eigenen Aktivitäten.
Insofern ist alles wissenschaftliche Tun selbstbezüglich und in gewisser Weise ernüchternd. Aber man könnte es auch anders sehen: „Weißt du, was schön ist, hier? Schau: wir gehen und lassen alle diese Abdrücke im Sand zurück, und sie bleiben bestehen, ganz deutlich und ordentlich. Aber wenn du morgen aufstehst, wirst du auf diesen großen Strand schauen, und nichts wird mehr da sein, kein Abdruck, kein anderes Zeichen, gar nichts. Das Meer löscht alles aus in der Nacht. Die Flut versteckt alles. Als wäre nie jemand hier entlanggegangen. Als hätten wir nie existiert. Wenn es einen Ort auf der Welt gibt, an dem du meinen könntest, du seiest nichts, dann ist es dieser Ort hier. Nicht mehr Land, noch nicht ganz Meer. Kein unechtes Leben, kein echtes Leben. Es ist die Zeit. Zeit, die vergeht. Weiter nichts.“ (aus: Baricco, Alessandro. Oceano Mare – Das Märchen vom Wesen des Meeres. München 2001).
Spuren werden nicht nur vom Meerwasser, sondern auch vom Wind verweht, dabei durchlaufen sie teilweise ästhetisch ansprechende Übergangsformen.

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