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Physik im Alltag und Naturphänomene

Das bisherige Leben wie einen alten Mantel abstreifen…

LibellenschlupfIch habe mir mal die Zeit genommen, den Schlupfvorgang einer Libelle zu beobachten. Er beginnt damit, dass eine Libellenlarve aus dem Wasser, indem sie ihre erste Lebensphase von etwa zwei Jahren verbracht hat, an einer Pflanze hochklettert. Dort beginnt dann ein Prozess, der meines Erachtens ans Wunderbare grenzt. Auf dem Rücken der sich fest an der Pflanze geklammerten Larve entsteht eine Öffnung und aus dieser steigt in der nächsten Zeit behutsam und zielstrebig zugleich eine Libelle wie aus einem eng anliegenden Regenmantel heraus. Anschließend entfaltet sie – sich weiterhin an ihrer bisherigen Hülle festklammernd – ihre gut verpackten zunächst noch feuchten Flügel und wartet noch eine kurze Zeit, vermutlich bis diese vollkommen trocken und tragfähig sind. Dann ist der Moment gekommen und sie fliegt die leere Hülle zurücklassend davon. Sie tauscht ohne jedes Aufsehen ihr bisheriges Leben im Wasser gegen ein kurzes Leben (einige Monate) in der Luft. Die Hülle bleibt noch einige Zeit an der Pflanze hängen und sieht bei flüchtiger Betrachtung so aus, als handelte es sich, um ein lebendiges Tier.
Ein äußerlich ganz ähnlicher Vorgang findet bei sich häutenden Insekten, wie etwa der Zikade statt. An Häutungen kann man aber auch bei menschlichen Handlungen erinnert werden: „Er zwang sich, den Kopf abzuwenden und eine Weile in eine andere Richtung, die Straße hinauf zu sehen, wo zwei junge Männder sich mühselig aus ihren Neoprenanzügen schälten, eine Häutung, die wie bei der Zikade mit dem Rücken begann, allerdings mit Hilfe eines Rißverschlusses, an dem ein langes Band befestigt war, und die am Ende zwei dunkle Schwarten auf em Boden zurückließ“ (Anne Weber: Tal der Herrlichkeiten. Frankfurt 2012).

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Diskussionen

4 Gedanken zu “Das bisherige Leben wie einen alten Mantel abstreifen…

  1. Phantastische Wunder der Natur. Joachim Dein Foto ist grandios!👏👌👍

    Gute Nacht Grüße
    Babsi

    Verfasst von kunstschaffende | 7. Juli 2016, 00:12
    • Ja, ich halte das auch für ein Wunder. Wir können die Metamorphose zwar naturwissenschaftlich beschreiben, aber verstehen können wir es nicht wirklich. Ich bin auch immer wieder fasziniert von diesen meist im Verborgenen ablaufenen „Dramen“ in der Natur. Liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 7. Juli 2016, 08:48
  2. Was ein wunderschönes Bild, das Du uns da mitgebracht hast. Ja, bei Dir findet man schon einmal die kleinen, großen Wunder die man selbst noch nicht in der Natur hat sehen können. Vielleicht ja, weil mehr davon gibt, als wir uns vorstellen können. Was ein schöner Start in den Tag. Danke.

    Verfasst von San-Day | 7. Juli 2016, 09:38
    • Das hast du schön gesagt, Vielen Dank! Eines meiner Anliegen in diesem Blog ist es in der Tat, auf die Kleinigkeiten des Alltags aufmerksam zu machen, die bei entsprechender Betrachtung zu kleinen Wundern werden können. LG Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 7. Juli 2016, 10:45

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