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Marginalia

Kornblumenblau

Kornblumen2Kornblumen sieht man heute nur noch selten, weil die Getreidefelder mit Herbiziden behandelt werden. Lediglich am Rand lassen sie sich zuweilen gemeinsam mit rotem Mohn blicken. Ästhetisch machen Kornblumen und Mohn das erst ein Kornfeld aus, wie man es aus alten Zeiten kennt. Aus diesen Zeiten stammt auch das folgende Gedicht von Johannes Trojan (1837 – 1915):

In der Saat viel blaue Sterne
Stehn wir leuchtend fern und nah.
Laßt uns blühn und seht uns gerne,
Denn wir sind nun einmal da!

Die uns sonst nicht leiden mochten
Unterm Korn, die schimmernd blaun:
In den Erntekranz geflochten
Mögen sie doch gern uns schaun.

KornblumenblauZu dem Ernst nutzreicher Ähren
Fügen wir, was heiter glänzt:
Freude will Natur euch lehren,
Und sie bringt das Brot bekränzt.

Ein beeindruckendes Blau, das Kornblumenblau! Trotzdem steht die Kornblume in der Beliebtheitsskala der Blumen weit hinter der Rose zurück, die an erster Stelle rangiert. Physiologisch ist das nicht gerechtfertigt, weil das Rot der roten Rose und das Blau der Kornblume durch das gleiche wasserlösliche Pigment aus der Stoffgruppe der Anthocyanine bewirkt werden. Erst vor einigen Jahren fanden japanische Forscher heraus: Der Grund für diesen Farbunterschied liegt im wesentlichen darin, dass beim blauen Kornblumenpigment die Kristallstruktur aus einem Komplex von sechs Molekülen besteht – unter anderem aus Eisen und Magnesium. Demgegenüber sind die Ladungen der Teilchen in der Kristallstruktur des Rosenpigments verschoben, mit der Folge, des krassen Farbunterschieds.
„So können kleine Dinge große Zeichen ihres Daseins geben, welches man nicht genug merken kann“ (Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

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Diskussionen

9 Gedanken zu “Kornblumenblau

  1. Wunderschöne Fotos! Wie traurig, dass es das Kornblumenfeld so kaum noch gibt.
    Meine Mutti kennt es noch von früher und es ist ihre Lieblingsblume. Dieses blau ist aber auch grandios schön!

    Danke Joachim und eine gute Nacht!

    Babsi

    Verfasst von kunstschaffende | 9. Juli 2016, 00:26
    • Ja, es ist schon seltsam, dass eine wildwachsende Blume so vermisst wird wie die Kornblume. Trotz des damit bewusst werdenden Verschwindens einer alten Kultur in der Landwirtschaft, muss es wohl auch an der Farbe und der Form der Blüte liegen. Da geht es mir fast wie deiner Mutter. Es ist zwar nicht DIE, aber EINE meiner Lieblingsblumen. Mag sein, dass die Blumen den landwirtschaftlichen Ertrag der Getreidefelder etwas schmälert. Aber wenn man schon rein wirtschaftlich argumentiert, sollte man nicht unterschlagen, dass dies Blumen auch Insekten ernähren und die wiederum sind in vielen Bereichen auch der Landwirtschaft unabdingbar. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 9. Juli 2016, 12:08
      • Ja Joachim, Du hast so recht! Irgendwann werden auch wir hier bitter büßen müssen, für den Raubbau der Natur.

        Herzliche Wochenende Grüße

        Babsi

        Verfasst von kunstschaffende | 9. Juli 2016, 12:16
  2. Danke für den Beitrag zu einer meiner Lieblingsblumen.

    Wann immer ich spazieren gehe, halte ich nicht nur nach ihr Ausschau, nur um sie anzusehen.
    Ich habe sie, niemals mitgenommen, in der Hoffnung das es bald wieder mehr werden.
    Lange Jahre dachte ich und eben hast Du das letzte Exemplar gesehen.
    Die letzten Jahre allerdings tauche sie wieder auf. Nun sogar in Gärten. Ich selbst habe sie auch schon mal angepflanzt, denn ich liebe ihre Form und dieses wirklich schöne Blau.

    Ein schönes Wochenende Dir
    San

    Verfasst von San-Day | 9. Juli 2016, 09:13
    • Das schöne „Preußisch Blau“ der Kornblume soll bereits Königin Luise (1776 – 1810) begeistert haben, jedenfalls war die Kornblume ihre Lieblingsblume. Im 19. Jahrhundert war die blaue Blume geradezu ein Symbol der „neuen Natürlichkeit“. Insofern ist es auch an der Zeit, ein Comeback dieser Blume einzuläuten und sei es nur, dass man sie im eigenen Garten anpflanzt. Aber ich vermute, dass der tiefe Eindruck des Blaus auch etwas mit dem Hintergrund des grünen und später gelben Korns zu tun hat. Als Physiker kann ich mir nicht verkneifen darauf hinzuweisen, dass Gelb und Gelbgrün die Komplementärfarbe dieses Blaus ist, sodass man die blaue Blume erst im Kontext des Kornfelds als Einheit wahrnimmt und sie auf diese Weise zu dem Sympathieträger wird, der sie nun einmal ist.
      Auch dir ein schönes Wochenende, vielleicht mit einem Spaziergang am Rande eines Kornfeldes mit herbizidverschontem Rand, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 9. Juli 2016, 12:39
  3. Diese schöne blaue Pracht kann man auf den Feldern vom Schulbauernhof Emshof sehen! Das gesamte Getreidefeld strahlt durch blaue Sterne! Also schaut es euch auf einer schönen Radtour an!
    Schulbauernhof Emshof
    Verth 14
    Telgte
    Schöne Grüße
    Sabine Dammann

    Verfasst von Sabine Dammann | 9. Juli 2016, 12:01
  4. Ich habe das Glück, in einer Region in Mittelfranken zu leben, in der ich beim Spazierengehen doch immer wieder Kornblumen sehen kann. Früher gab es mehr davon, ja. Aber ausgestorben sind sie doch noch nicht. Ich mag das gern: im Winde wehendes Korn mit Korn- und Mohnblumen dazu…
    Edgar

    Verfasst von seescho | 12. August 2016, 20:59
    • Da muss ich dann wohl mal wieder ins schöne Frankenland reisen. Aber auch hier (Osnabrücker und Münsteraner Land) sieht man gelegentlich den alten Schmuck des Getreides in Form von Kornblumen, Klatschmohn und Kamille, aber im Vergleich zu meiner Kindheit ist er wegen des Einsatzes von Pestiziden – ich zögere hier den Euphemismus „Pflanzenschutzmittel“ zu bneutzen – stark zurückgegangen. Diese Blumen im grünen und später gelb-braunen Getreide sind in der Tat eine wahre Augenweide. Man sollte mal versuchen den Nutzen in Form des Wohlbefindens der dies genießenden Menschen abzuschätzen und gegenzurechnen. Gruß, Joachim

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. August 2016, 10:13

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