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Marginalia

Wie Phönix aus der Seifenblase…

Phönix aus der SeifenblaseUm nicht zerplatzend in einige Tropfen zu zerfallen, wählt diese Seifenblase einen anderen Weg. Sie verwandelt sich – oder wird sie durch den Wunsch des Kindes verwandelt – in einen Vogel. Wir sind direkte Zeugen der wunderbaren Transmutation: der Vogel schaut rechts bereits erkennbar aus der Blase heraus.
Ich habe diesen Vorgang erst später beim Betrachten der Fotos bemerkt und mich an den Kultfilm „Blow up“ (1966) von Michelangelo Antonioni (1912 – 2007) erinnert, in dem die eigentliche Entdeckung auch erst im Labor beim Entwickeln der Filme gemacht wurde.
Vielleicht ist es aber auch nur eine schlichte Pareidolie, die meine Fantasie etwas auf Trapp bringt. (Weitere Pareidolien findet man hier und hier und hier und hier).

Die Schönen Farben der Seifenblasen entstehen nicht durch Pigmente, sondern durch die Struktur der dünnen Seifenhaut. Ihre Dicke ist von der Größenordnung der Wellenlänge des Lichts. Das Licht wird teilweise an der Vorderseite und der Hinterseite der Seifenlamelle reflektiert. Der dadurch entstehende Wegunterschied zwischen beiden Teilwellen führt bei der Überlagerung im Auge dazu, dass die Wellenzüge gegeneinander verschoben sind. Es kommt zu Auslöschungen oder Verstärkungen einzelner Farben des weißen Lichts. (Einzelheiten dazu findet man in früheren Beiträgen, z.B. hier).

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Diskussionen

8 Gedanken zu “Wie Phönix aus der Seifenblase…

  1. Wunderschön.

    Verfasst von San-Day | 29. Juli 2016, 08:03
  2. Dieses Foto hat mich richtig fasziniert und die Tatsache, dass Du die Filme auch noch selbst entwickelst und damit ja die traditionelle Fotografie betreibst, einfach genial!

    Dieses Kücken, dass da raus guckt ist wie ein Zauber!

    LG Babsi

    Verfasst von kunstschaffende | 29. Juli 2016, 22:02
    • Vielen Dank für deine lieben Worte. Fakt ist aber auch, dass bei meiner „Fotojagd“ nach Kindern, die Seifenblasen jagten, der Zufall mir dieses Kuckuck ins Bild gesetzt hat. Ich musste es nur noch als solches wahrnehmen. LG und schönes Wochenende, Joachim

      Verfasst von Joachim Schlichting | 30. Juli 2016, 08:57
      • Zufall hin oder her, es ist aufjedenfall sehr interessant und hättest Du nicht just zum richtigen Zeitpunkt den Auslöser gedrückt, dann wäre es ein Foto ohne den Spatz geworden.

        Jetzt aber noch eine Frage an Dich, könnte so ein Effekt auch mit der digitalen Fotografie erfasst werden oder hat das damit nichts zutun?
        Oder liegt es an der Einstellung der Kamera? Du schreibst ja es liegt an der dünnen Haut der Seifenblase. Vielleicht ist es auch der Augenblicklich, wie sich eben das Licht bricht.

        Eine Erklärung dafür zu finden, ist jedenfalls sehr spannend.

        LG Babsi

        Verfasst von kunstschaffende | 30. Juli 2016, 13:41
      • Mit Zufall meine ich, dass ich just in dem Moment abgedrückt habe, als die Seifenblase diese vogelförmige Ausstülpung produzierte. Ich habe das natürlich nicht gesehen, weil der Ablauf viel zu schnell geht. Die Kamera hat den entscheidenden Moment gewissermaßen „eingefroren“ und auf diese Weise für die Betrachtung zugänglich gemacht. Die Aufnahme kann mit jeder Kamera gemacht werden, digital oder analog. Lediglich die Belichtungszeit muss kurz genug sein, damit die Bewegung der Blase nicht zu sehr verschmiert wird. Das ist aber bei hellen Tageslicht meist der Fall.
        Die dünne Haut der Seifenblase ist Ursache für die Entstehung der Farben. Bei dickeren transparenten Medien z.B. einer Fensterscheibe wird normalerweise an der weiß erscheinenden Zusammensetzung des Sonnenlichts nichts geändert, wenn das Licht an der Vorder- und Rückseite der Scheibe reflektiert wird. Aber wenn die „Scheibe“ wie im Falle der Seifenblase ungefähr so dünn ist wie die Wellenlänge des Lichts, wird dieses in seiner Zusammensetzung gestört. Das normale Sonnenlicht, das wir als Weiß wahrnehmen, ist eine (additive) Mischung aus allen Farben und eine Störung bedeutet, dass die eine oder andere Farbe hervorgehoben oder unterdrückt wird mit dem Ergebnis, dass wir das von der Seifenblase kommende Licht als farbig wahrnehmen. Der Augenblick der Lichtstreuung an der Seifenblase, den du ansprichst, spielt insofern eine Rolle, als die Blase im Laufe der Zeit dünner wird bis sie platzt und der Winkel aus dem wir auf die Blase blicken unterschiedlich sein kann.
        Ich hoffe, dass ich mich einigermaßen verständlich ausgedrückt habe. Die Beugung des Lichts, der sich diese Farben verdanken, gehört zu den schwierigsten Phänomenen der Wechselwirkung von Licht und Materie. LG Joachim

        Verfasst von Joachim Schlichting | 30. Juli 2016, 16:29
      • Dass hast Du super, verständlich und ausführlich erklärt, lieben Dank für Deine Mühe Joachim!👍

        LG Babsi

        Verfasst von kunstschaffende | 30. Juli 2016, 16:48
      • Gern geschehen. LG Joachim

        Verfasst von Joachim Schlichting | 30. Juli 2016, 16:55

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