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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Scharrkreise im Sand – Plato lässt grüßen

Scharrkreis1An solchen in den Sand oder den Schlick des Wattenmeeres gezeichneten Kreisen beeindruckt, dass offenbar so etwas Künstliches wie ein Kreis, der normalerweise mit dem Zirkel, einem technischen Instrument, gezogen wird, auch zum Artikulationsrepertoire der Natur gehört.
Damit so etwas gleichsam von selbst geschieht, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die Landschaft, in der eine solche Figur entsteht, muss karg, nur spärlich bewachsen und gleichzeitig so locker sein, dass auch durch kleine Einwirkungen Spuren hinterlassen werden. Nur so hat der Wind freie Bahn und kann einen Grashalm einer noch lebenden oder die Reste einer bereits abgestorbenen Pflanze in Bewegung setzen. Wenn dieser stabähnliche Teil an einer Stelle den Boden berührt, reichen einige Schwankungen aus, einen halbkreisförmigen Bogen in den Boden zu scharren. Dabei muss der Wind nicht einmal in seiner Richtung schwanken. Wenn der Stab an einigermaßen stabil und fest im Boden verankert ist, entwickelt er bei einer Auslenkung zur einen oder anderen Seite eine rückstellende Kraft und führt so etwas wie eine Schwingung um die Windrichtung aus.
Manchmal sind es irgendwelche Teile natürlichen oder künstlichen Ursprungs, die auf welche Weise auch immer an einem Ende im Boden fixiert sind und vom Wind getrieben kreisförmig über den Boden schrammen.
In seltenen Fällen beobachtet man sogar Vollkreise. Dann hat man es mit sehr lockeren „Stäben“ zu tun, die keine Rückstellkraft entwickeln und durch wechselnde Winde über den Boden gejagt werden.
In wissenschaftlichen Publikationen – ja auch die Wissenschaftler, vor allem aus dem Bereich der Geologie befassen sich mit diesen Kreisen – spricht man von „scratch circles“ oder von „Scharrkreisen“ (dieses deutsche Wort ist auch ein Terminus in der englischsprachigen Literatur).
Der Kreis an sich gehört zu den Platonische Ideen. Er ist keine bloße Vorstellung, sondern besitzt nach Platon eine objektive metaphysische Realität und stellt einen wesentlichen Aspekt der eigentlichen Wirklichkeit dar. Im Gegensatz zu den vergänglichen Sinnesobjekten ist die Idee des Kreises ein unvergängliches Urbild. Wie man hier sieht kommt es auch ohne Mensch in der Natur zu Kreisen. (siehe auch: Platon im Walde).

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