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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Die Glühlampe ist tot. Es lebe die Glühlampe…

Glühlampe-3_rvWir erleben es seit Jahren, dass die klassische Glühlampe Schritt für Schritt, das heißt von hohen zu niedrigeren Leistungen absteigend vom Markt genommen wird, weil sie energetisch ineffizient ist. Bevor dieses Projekt jedoch abgeschlossen ist, sitzt sie bereits auf der eigenen Nostalgiewelle und feiert als Designlampe ein strahlendes Comeback. Glühlampe_rvJedenfalls habe ich in letzter Zeit in zwei neueröffneten Restaurants Glühlampen über den Tischen erlebt, die in großer Ähnlichkeit zu den ersten Glühlampen überhaupt ihre bislang eher durch Lampenschirme oder Mattierung versteckten leuchtenden Filamente vor dem entzückten Auge des Betrachters entfalten.
Die nebenstehenden Fotos geben davon nur ein unvollkommenes Abbild wieder. Unser Auge ist nämlich „intelligenter“ als die Kamera. Es vermittelt uns den Eindruck, dass man gleichzeitig die Lampe als solche und das strahlende Filament in seinen drahtigen Details scharf zu sehen vermag. Das liegt daran, dass das betrachtende Auge beim Abscannen des Objekts die „Blende“ laufend den Helligkeitsbedingungen anpasst, indem sich die Pupille weitet oder verengt. Wegen des extremen Helligkeitsunterschieds zwischen dem leuchtenden Filament und der Umgebung (hier im unteren Foto repräsentiert durch den durch Spiegelungen sichtbar werdenen Glaskörper der Lampe) kann die Kamera mit einer festen Einstellung entweder nur das Filament in seinen Details deutlich abbilden und den Rest in völlige Dunkelheit tauchen (oberes Foto) oder die Umgebung (Glaskörper der Lampe) sichtbar machen, was zwangsläufig zu einer völligen Überbelichtung des Filaments führt. Ich hätte daher als Überschrift auch „Ein Lob dem Auge“ wählen können.
Da die neuen Designlampen der Energiesparnorm entsprechen müssen, ist ihre Leuchtkraft trotz der fast blendenden Helligkeit des Filaments eher bescheiden, was beim gemütlichen Essen ohnehin bevorzugt wird.
Aber nicht nur die Design-Glühlampen helfen dem Überleben der klassischen Glühlampe. Auch neuere Forschungen, in denen nachgewiesen wird, dass mit Nanobeschichtungen der Glühwendel eine Energieersparnis von 40% erreicht wird, könnten vielleicht das Glühlampensterben verhindern.
Und noch etwas ist interessant. Oberhalb der Glühwendel sieht man eine weitere helle Struktur, die wie eine weitere Glühwendel aussieht. Sie sieht nicht nur so aus, sondern ist auch eine, allerdings eine virtuelle. Sie ist – physikalisch gesprochen – das reelle, räumliche Abbild der realen Glühwendel, das durch die (von innen gesehen) hohlspiegelartige Wöbung des Glaskörpers hervorgebracht wird. Dass Hohlspiegel dreidimensionale Spiegelbilder hervorbringen, die gewissermaßen im Raum schweben, haben wir in  früheren Beiträgen bereits beschrieben (z.B. hier und hier und hier und hier). Da Glas sowohl transparent ist, als auch spiegelnd reflektiert, ermöglicht der Glaskörper einer Glühlampe das ansonsten unmögliche Kunststück, das reelle, räumliche Spiegelbild auch wirklich sichtbar zu machen. Das meines Erachtens schönste Beispiel für eine solche Situation ist eine in einem früheren Beitrag gezeigte  Straßenlampe, die mit einem Glasschirm umgeben ist.

 

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Die Glühlampe ist tot. Es lebe die Glühlampe…

  1. Ich muß gestehen, daß für mich Glühlampen nichts weiter als ein Mittel zum Zweck sind bzw. waren: Sie sollen hell machen.

    Ich seh aber auch, daß der Mensch einmal sich eingeprägte Formen nur sehr ungern wieder losläßt. Die Glühbirne ist eine solche eingeprägte Form. Wenn ich mir die Entwicklung bei den Leuchtmitteln in den letzten Jahren so ansehen, stelle ich fest, daß das Design immer wieder in Richtung der klassischen Birnenform geht.

    Fotografisch gesehen ist so eine Glühbirne in der Tat eine Herausforderung. Was will man zeigen? Will man die leuchtende Glühwendel auf die virtuelle Fotoplatte der digitalen Spiegelreflexkamera bannen? Oder will man die Stimmung des Lichtes einfangen, welches das Umfeld beleuchtet.

    Die Kamera ist dem menschlichen Auge unterlegen, wenn es um das Wahrnehmen von großen Helligkeitsunterschieden geht. Andererseits ist die Kamera dem Auge überlegen, wenn es um das Sammeln von Licht geht. Die so schön farbige Whirlpool-Galaxie kann ich mit dem Auge nie so wahrnehmen wie mit der Kamera.

    Ist ein sehr interessantes und auch vielschichtiges Thema, das du hier anschneidest.

    Edgar

    Verfasst von seescho | 16. September 2016, 20:22
    • Du weist auf einen wichtigen Punkt hin. Die Möglichkeit, Fotoplatten mit dem spärlichen Licht ferner Sterne über Stunden und Tage zu belichten, hat zu Beginn des 20 Jahrhunderts die Astronomie enorm weitergebracht. Später kamen dann nicht optische Wellenlängenbereiche hinzu. Gruß, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 16. September 2016, 21:00

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