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Physik im Alltag und Naturphänomene, Marginalia

Maßvoll – Maß leer

massvollEin Trinkgefäß, sobald es leer,
macht keine rechte Freude mehr.

Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Das mag für den Durstigen gelten. Der aufmerksame Beobachter findet vielleicht zumindest im Falle des abgebildeten leeren Bierglases seine Freude daran, die Blasenstruktur am Glasrand zu deuten. Diese Struktur lehrt uns, dass der Leerer das Glas in etwa gleich großen Schlucken geleert hat. Die am Glasrand anhaftenden Schaumreste verraten es. In jeder Trinkpause gehen die randständigen Blasen mit dem Glasrand eine ziemlich feste Verbindung ein, weil sie teilweise austrocknen und klebrige Reste zurücklassen. Währenddessen platzen die Blasen auf der jeweiligen Oberfläche munter weiter und das Niveau sinkt. (Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, gemeint ist nicht das Niveau dieser Untersuchung, auch nicht das vielleicht durch die Leerung des Glases eingeschränkte Denken, sondern der Flüssigkeitsspiegel.)
Wenn dann durch das Trinken der Flüssigkeitsspiegel und mit ihm die Schaumkrone sinkt, bleiben die am Rand „eingetrockneten“ Blasen zurück, vornehmlich in dem Bereich, in dem sie Zeit hatten, sich festzusetzen. In der Trinkphase sinkt der Flüssigkeitsspiegel jedoch so schnell, dass zum Festsetzen keine Zeit ist. In der nächsten Trinkpause wiederholt sich der Vorgang bis es nicht mehr weiter geht und das Glas erneut gefüllt werden muss. Die Abstände der Schaumränder nehmen zwar nach unten hin zu, aber das lässt sich weitgehend mit dem abnehmenden Radius erklären, weniger mit dem von Schluck zu Schluck zunehmenden Durst.

Die Idee zu dieser tiefschürfenden Untersuchung kam mir natürlich nach dem Trinken und bestätigt einmal mehr das, was der erste deutsche Experimentalphysiker Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) – der sich im Übrigen des Öfteren derselben Methode bedient hat – mit folgenden Worten wissenschaftlich untermauerte:

Man muß zuweilen trinken um den Ideen, die in eines Gehirn liegen, und den Falten mehr Geschmeidigkeit zu geben, und die alten Falten wieder hervor zu rufen“ (F I 105).

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