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Marginalia

Die Ringe des Saturn im Kalksandstein

Saturnringe_rvDaß am Himmel ein Körper rotiert, der so grundverschieden von allen anderen ist, eine Gestalt, die größtmögliche Eigentümlichkeit durch größtmögliche Schlichtheit und Gleichmößigkeit und Harmonie erreicht, ist ein Umstand, der das Leben und Denken erfreut…
(und) es zu schön ist, um wahr zu sein, zu willkommen in meinem imaginären Universum, um zur realen Welt zu gehören. Aber vielleicht ist es gerade dieses Mißtrauen gegenüber unseren Sinnen, das uns hindert, uns im Universum wohlzufühlen. Vielleicht ist die erste Regel, die ich mir setzen muß, diese: Halte dich an das, was du siehst.
Italo Calvino (1923 – 1985): Herr Palomar

Dies ist kein Blick in den Ideenhimmel Platos und kein Blick durch ein Fernrohr. Aber wer die Ringe des Saturn kennt, wird durch diese Struktur in einer Kalksandsteinplatte möglicherweise wie ich an sie erinnert. Dank der Möglichkeiten, die uns die optische Linse bietet, holen wir uns heute bei unbekannten Mustern zuweilen die Assoziationen aus Bereichen, die uns natürlicherweise gar nicht zugänglich sind.

Übrigens wurde diese Aufnahme an einer mit natürlichen Kalksteinplatten ausgestatteten Fassade eines Gebäudes mitten in London gemacht. Doch wer sieht in der Hektik des Alltags schon derartige Preziosen.

Diskussionen

5 Gedanken zu “Die Ringe des Saturn im Kalksandstein

  1. Doch wer sieht in der Hektik des Alltags schon derartige Preziosen.?

    Bekannt ist das Beispiel des Starviolonisten, der vor vollem und ehrwürdigem Haus spielen sollte.
    Er stellte sich am Vortag in eine Undergrundstation und spielte. Unerkannt natürlich. Jedermann huschte vorbei, würdigte dem Mann keinen Blick bzw. Minute. Wenn dann mal einer kurz stehen blieb, konnte er nichts Aussergewöhnliches berichten und schritt weiter.
    So kolportiert..

    Verfasst von kopfundgestalt | 13. Dezember 2019, 21:33
    • Man muss schon auf etwas Außergewöhnliches gefasst sein, um es auch als solches zu sehen. Wenn man wüsste, dass in der U-Bahn-Station auch Starmusiker auftreten, würde man sie auch gewiss als solche entdecken. Es muss einfach jemand hinter den Netzhäuten oder Ohrmuscheln stehen, die die Eindruck bewusst wahrnimmt.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Dezember 2019, 22:18
      • Ja, was nimmt man denn wirklich wahr? Der Normalzuhörer würde es nicht merken, wenn ein Starmusiker auf der Bühne ersetzt werden würde durch jemand Schwächeren, der aber die entspr. Attitüden des Stars und Könners vollzieht.
        Des Kaisers Kleider.

        Verfasst von kopfundgestalt | 13. Dezember 2019, 22:33
      • Da wird es in der Tat schwierig. Wenn „gut sein“ mehr bedeutet, als dass es gefällt, kommt das Problem der Zugehörigkeit zu bestimmten „Eliten“ ins Spiel. Dann bewegt man sich auf dünnem Eis.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 14. Dezember 2019, 07:52

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