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Marginalia

Gemalte Träume

gemalte_traeume_dsc00886-jpgEs ist dicht mit Platanen bestanden.
Sie bilden Alleen, wie man sie sonst von Pappeln gewöhnt ist,
dunkel, ein wenig wie gemalte Träume von Henri Rousseau.

Theodor W. Adorno (1903 -1969)

Man sieht nicht nur mit den eigenen Augen, sondern auch aus der Perspektive des eigenen kulturellen Hintergrunds. Und der ist u.a. durch typische Bildungsinhalte aus Dichtung, Kunst, Musik etc. geprägt.
Wer die Bilder Rousseaus nicht kennt, für den wird die Beschreibung Adornos durch diesen Hinweis nicht präziser. Im günstigsten Fall wird er oder sie sich darum bemühen, sich Bilder von Rousseau anzusehen.
Für mich ist dieses Problem auch deshalb aufschlussreich, weil der naturwissenschaftliche Hintergrund unserer Bildung im Alltagsdiskurs und nicht nur dort nahezu völlig ausgeblendet wird. Wenn ich sagen würde: Auf diesem Foto verleihen Rayleigh- und Mie-Streuung der Naturszenerie eine besonders farbenprächtige Nuance, so würden das auch (im oben angesprochenen Sinne) gebildete Menschen eher irritierend als präzisierend empfinden. Das gibt mir zu denken.

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Diskussionen

4 Gedanken zu “Gemalte Träume

  1. Da ich zu den Irriterten gehöre, habe ich (brav) bei Wiki nachgeschaut. Muss aber sagen, dass die Erklärungen dort doch um einiges komplizierter sind als ein Blick auf ein Bild Rousseaus 🙂 Der untere Fototeil wurde aber gephotoshopt, oder? Das sieht mir nun nicht nach Mie oder Rayleigh aus …

    Verfasst von simonsegur | 17. Februar 2017, 18:10
    • Danke für den interessanten Kommentar. Zunächst einmal: Das Foto ist echt und hat Photoshop nur zur Anbringung des Copyrights erlebt. Das Himmelsblau kommt durch Rayleigh-Streuung und die Rottöne durch Rayleigh-Streuung und Mie-Streuung zustande (letztere wird durch Aerosole hervorgerufen und bewirkt eine „Verwässerung“ der Farben). So würde man das Bild von den Himmelfarben her rein physikalisch interpretieren. Physiker würden verstehen, was damit gemeint ist, nicht physikalisch vorgebildete Menschen vermutlich weniger. Da bräuchte man schon einige Worte mehr… Aber genau das ist ja der Gegenstand meiner anedeutungsweisen Gegenüberstellung der „beiden Kulturen“, die auch heute kein „Snow“ von gestern sind. (–> C.P. Snow)

      Verfasst von Joachim Schlichting | 17. Februar 2017, 20:18
      • Köstlicher Kommentar (Snow), meinen herzlichen Dank 🙂 Die Baumallee und die Bäume links sind unbearbeitet? Faszinierend? Sie wirken eckig-verwaschen wie mit einem künstlerischen Filter bearbeitet. Wie stets und immer hier auf dieser Seite: sehr, sehr spannend. Wünsche ein sonnig-gestreutes Wochenende 🙂

        Verfasst von simonsegur | 17. Februar 2017, 20:51
      • Nochmals vielen Dank für die lieben Worte und auch dir ein schönes Wochenende ohne Einsprengsel von allzu großen Aerosolteilchen, vulgo Regentropfen.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 17. Februar 2017, 20:59

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