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Marginalia, Physik und Kultur

Nur noch das Rätsel

raetsel_img_6857nDie Welt-Ausrechnung, Allmacht der Neuzeit, vor der auch Diktatoren sich beugen und Alle, die sich sonst hassen, verbrüdern, will alle Dinge entsiegeln. Im Freiraum der Kunst, wenngleich er folgenlos wurde: sie versiegeln sich wieder. Je mehr wissenschaftlicher Aufschluß, desto verschlossener erweisen die Dinge sich. Sie trotzen. Sie sehen den einzigen Fluchtweg, wenn sie überhaupt einen sehen: Umziehen ins Rätsel. Das Labyrinth, ihre Wohnung. So geht durch die Künste unserer Tage ein Zug, wir kennen ihn Alle. Jeder Vers sagt es, jedes Bild spricht davon: Die Dinge verrätseln sich. Das Unaufgeklärte, das Schwerverständliche ist ihre Zuflucht.
In der Neuzeit, in der totalen Welt-Ausrechnung, so will ihnen vorkommen: Es ist nur noch das Rätsel, das Rat gibt.

(aus: Kästner, Erhart: Aufstand der Dinge. Frankfurt: Insel 1975)

Das Foto zeigt einen Blick durch ein „Fenster“, in einen Raum, der durch ein „Fenster“ den Blick in einen weiteren Raum freigibt. So gesehen in einer der Höhlenwohnungen in Kappadokien. Die schwarze Linie am linken Rand des ersten Fensters ist nicht etwa mit dem Stift nachgezogen, sondern stammt von der Schwärze der Wand, die wiederum auf den früheren Betrieb einer Feuerstelle zurückzuführen ist.

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Diskussionen

5 Gedanken zu “Nur noch das Rätsel

  1. Für mich sieht der schwarze Linie nach einem Schlagschatten aus. Dieser wird beim fotografieren mit Blitzanwendung verursacht .

    Verfasst von Malabar | 27. Februar 2017, 11:39
    • Das könnte auch möglich sein. Ich glaube aber mich erinnern zu können, ohne Blitz gearbeitet zu haben. Außerdem war die sich in den hinteren Raum weitende Fensterlaibung vermutlich durch durch eine langjährig aktive Feuerstelle (deren Reste noch zu sehen waren) vollständig verrußt.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 27. Februar 2017, 16:15
  2. Whow! Ein sehr schönes Photo – wie gemalt. Mit viel Raum – im – Raum – Kipp-Betrachtungsmöglichkeiten.

    Verfasst von ele21 | 28. Februar 2017, 11:45
    • Vielen Dank für den netten Kommentar. Da die visuellen Kippmöglichkeiten sich für Jemanden, die oder der das nicht kennt, realtiv schwierig zu sehen und noch schwieriger zu beschreiben sind, bin ich darauf nicht eingegangen. Das gibt mir aber den Ansporn in Zukunft mit einfacheren Beispielen mal darauf zu sprechen zu kommen. Danke für die indirekte Anregung.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 28. Februar 2017, 19:06

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