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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Der Satz des Pythagoras – revisited

pythagoras_dsc08473aDer Satz des Pythagoras ist wohl allen Menschen bekannt, die durch unser Schulsystem gegangen sind. Ich kann mich noch deutlich erinnern, dass mich daran besonders die Hypothenuse beeindruckte. Nicht etwa, weil mich ihr mathematischer Gehalt faszinierte, sondern eher ihr geheimnisvoll anmutender Klang: Hy-po-the-nu-se. Für mich schwingt – ein wenig immer noch – etwas Delphisches in diesem Wort mit, so als würde mehr dahinterstecken als die Seite eines rechtwinkligen Dreiecks, die dem rechten Winkel gegenübersteht.
pythagoras_img_5983_rvDabei bringt der Satz doch eigentlich nur einen Aspekt der Beschaffenheit unserer Welt zum Ausdruck. Diese Auffassung kam mir zum ersten Mal, als ich nach der Schulzeit bei einem Künstler ein Objekt entdeckte, das ein rechtwinkliges Dreieck beinhaltete, über dessen Seiten die Quadrate als quadratische gläserne Gefäße ausgestaltet und teilweise mit einer farbigen Flüssigkeit (ich vermute, gefärbtes Wasser) gefüllt waren (siehe unteres Foto in einer eher nüchternen Version). Man konnte dieses Objekt drehen, sodass das Wasser zwischen den Gefäßen je nach Neigung hin- und her fließen konnte.
Wenn man das Hypothenusengefäß nach unten gedreht hatte, war es voll gefüllt und die beiden anderen Gefäße der Katheten waren leer. Und wenn letztere sich unten befanden, waren sie voll, während jetzt das Hypothenusenfefäß leer war. Mit anderen Worten, man hatte es mit einer materiellen Manifestation bzw. einer „Verkörperung“ – oder besser noch „Verflüssigung“ im doppelten Wortsinn – des Lehrsatzes zu tun.
Allerdings gelingt es mir bis heute nicht so recht, die Bedeutung der unendlich vielen Zwischenzustände zu erfassen, in denen die Gefäße nur teilweise gefüllt sind. Bei der Umfüllung der Flüssigkeit und der Luft und beim Ziehen waagerechter Linien zwischen den Fluiden spielt offenbar die Schwerkraft eine wichtige Rolle, wodurch die Physik ins Spiel kommt.
Als ich vor Jahren das unten abgebildete Objekt in einem Science-Center entdeckte, war die alte Geschichte plötzlich wieder da mitsamt der klangvollen Hypothenuse.
Bei einem meiner späteren Besuche im Science-Center Phaeno in Wolfsburg beobachtete ich Kinder bei Umfüllen der Flüssigkeit von den Katheten zur Hypothenuse und umgekehrt. Sie konnten nicht genug davon bekommen, den Satz des Pythagoras ohne Stift und Papier auf spielend leichte Weise immer wieder aufs Neue zu beweisen. Irgendetwas faszinierte sie daran.
Vor einiger Zeit entdeckte ich durch Zufall in Wuppertal die oben abgebildete Skulptur. Sie wurde bereits 1964 von dem Wuppertaler Bildhauer Fritz Bernuth (1904 – 1979) geschaffen. Auch er stellte den auf die Fläche bezogenen Satz in einen dreidimensionalen Kontext und lässt  ihn fortan durch den antiken Vogel der Weisheit in Form einer stilisierten Eule überwachen.

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Diskussionen

7 Gedanken zu “Der Satz des Pythagoras – revisited

  1. Servus Joachim

    Ist schon faszinierend, den Pythagoras mit so einem drehbaren Teil zu veranschaulichen. ich muß mal schaun, ob es sowas auch im deutschen Museum in München zu bestaunen gibt, wenn ich dort wieder mal hinkomme.

    Edgar

    Verfasst von seescho | 5. März 2017, 11:35
  2. Wikipedia bietet weitere interessante Informationen zum „Satz des Pythagoras“ an.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_des_Pythagoras
    Der Dichter Hans Christian Andersen verfasste sogar den „Satz des Pythagoras“ in Gedichtform-Samlede Skrifter.

    Verfasst von Malabar | 7. März 2017, 08:28
  3. Titel des Gedichts – Formens evige Magie ((Et poetisk Spilfægteri))

    Verfasst von Malabar | 7. März 2017, 08:31

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  1. Pingback: Satz des Pythagoras – Formen der ewigen Magie | Die Welt physikalisch gesehen - 9. März 2017

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