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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Marginalia

Eine erfrischend feuchte Lektüre im Buch der Natur

entdeckung_img_4500_rvIch war fasziniert von dem kleinen Jungen, der hier mit großer Hingabe und explorativem Engagement die Wirkung der hochschäumenden Wassersäule in einem kleinen Park untersuchte. Immer wieder tauchte er die fühlende oder tastende Hand in das Wasser, mal mehr von oben, mal von der Seite, mal mit flacher Hand, die er dann vom Wasserstrahl besonders deutlich hochgedrückt empfinden konnte. Derweil bewegte er den anderen Arm so, dass er bei seinen engagierten Aktionen das Gleichgewicht behielt. Das Interesse und die Freude an der Entdeckung des nassen Elements waren offenbar so groß, dass er sich von seinem Tun auch nicht durch die immer intensiver werdende Durchnässung abbringen ließ.
Das Spiel endete abrupt, als die bislang auf einer Parkbank vor sich hin dösende Mutter plötzlich ihren Spross entdeckte und dessen Forschungsaktivitäten zu einem jähen Ende brachte – nicht ohne mir, der ich von einer anderen Bank aus das Geschehen beobachtete, einen bösen Blick zuzuwerfen. Aus ihrer Sicht war das sicherlich gerechtfertigt, aber irgendwie war ich auf Seiten des kleinen Forschers. Viel zu oft werden von Seiten der Erwachsenen aus übergeordneten Vernunftsgründen derartige lustbetonte und die weitere persönliche Entwicklung stimulierende Situationen unterbunden.

Wenn ich Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778) in seinem Emile recht verstehe, ist dieses Kind gerade dabei, eine Passage im Buch der Natur zu lesen,  „aus welchem es, ohne darüber Rechenschaft abzulegen, sein Gedächtnis unaufhörlich bereichert, bis seine Urteilskraft dereinst imstande ist, daraus Nutzen zu ziehen„.

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Diskussionen

8 Gedanken zu “Eine erfrischend feuchte Lektüre im Buch der Natur

  1. Das erinnert mich an die BUGA Koblenz, wo es ein Wasserspiel gab, das besonders die Kinder faszinierte.

    Verfasst von wortsonate | 19. März 2017, 11:04
  2. Sehr schöner Text, meinen Dank. Und wie Deine Geschichte im Emile-Zitat (ganz ohne Mäander 🙂 ) mündet, ist ebenso schön. Wünsche so einen Sonntag – einen schönen!

    Verfasst von simonsegur | 19. März 2017, 11:15
  3. Kleine Erinnerung, die anläßlich dieses Beitrags in mir auftauchte: in ähnlichem Alter war ich auch so von Wasser
    ( Pfütze, und was es da so zu sehen gab) fasziniert, daß ich beim Spiel völlig vergaß, daß ich in meiner kleinen Schürzentasche 2 Eier barg, die ich von der Nachbarin nach Hause bringen sollte…

    Verfasst von ele21 | 19. März 2017, 15:59
    • Es klingt so, als sei es eine positive Erinnerung. Demnach dürften die Eier heil geblieben sein? Oder die Eltern waren sehr verständnisvoll.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 19. März 2017, 17:16
      • An diesem dauerverregneten Sonntag hier gleich meine Antwort:
        Ja, die Eier waren wohl eh für `nen Kuchenteig – und Lernen in allen Variationen war erlaubt. Habe mich über Ihre feinfühlige Antwort gefreut ⭐️

        Verfasst von ele21 | 19. März 2017, 18:52
      • Da sieht man es mal wieder, handlungsorientiertes, affektiv gefärbtes Lernen ist nachhaltig. Man vergisst es sein Leben lang nicht.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 19. März 2017, 20:27

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