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Marginalia

Im Bilde sein…

Ich habe immer wieder nach einem Bild gesucht, das die Realitäten und Fiktionalitäten meiner frei flottierenden Gedanken am besten einfangen könnte, denn mit Worten lässt sich ohnehin nicht beschreiben, was im Gehirn abläuft. Es lässt sich allenfalls symbolisch erfassen. Dieses Bild fand ich im Blick in eine Schaufensterscheibe, in der sich Reales und Gespiegeltes ungestört überlagern. Diese freie Superposition, in der sich verschiedene Welten ineinanderschieben, getragen von Gedanken, die grenzenlos Wirkliches und Mögliches auf derselben Bühne auftreten lassen und zugleich als Darsteller, Betrachter und Kritiker fungieren, scheint mir hier auf zeitgemäße Weise anschaulich zu werden.

Denkt man sich mit einigem zeitlichen Abstand von der realen Situation, in das Foto derselben hinein, so braucht man schon deutliche Hinweise, um rekonstruieren zu können, was sich vor und hinter der Scheibe abspielte. Fensterscheiben sind zwar weitgehend transparent, aber die circa vier Prozent des Lichts, die bei senkrechtem Einfall von der Scheibe reflektiert werden, können unter bestimmten Bedingungen gleich hell erscheinen wie die vergleichsweise spärlich beleuchteten Gestalten hinter der Scheibe. Bei gleicher Lichtintensität ist es aber schwierig, rein optisch zu unterscheiden, was real oder gespiegelt ist. Dafür braucht man zusätzliche, oft nebensächliche, also Accessori, die auf nichtoptische Weise Hinweise auf eine rekonstruierbare Ordnung geben.

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Diskussionen

6 Gedanken zu “Im Bilde sein…

  1. Tipp für Fotografen, ein Polfilter nimmt die Spiegelung

    Verfasst von aquasdemarco | 14. Mai 2017, 09:25
  2. Idee dazu: wenn in Ihrem tollen Photo dann noch paar Reagenzgläschen, Uhrwerke und einige Motörchen mit ins Spiel (Spiegeln) gebracht würden- wär´noch ´n weiterer Aspekt der Annäherung ne? schönen Sonntag☀️

    Verfasst von ele21 | 14. Mai 2017, 11:20
    • So ein Schaufenster war leider nicht zur Hand, ist aber vielleicht ein guter Hinweis für eine entsprechende Inszenierung. Leider kann ich mich für den Wunsch zum schönen Sonntag – der in Erfüllung ging, ohne dass ich ihn schon gelesen hätte – nur mit einem schönen Wochenbeginn beantworten, was ich hiermit tue.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 15. Mai 2017, 08:32
    • Danke für den Hinweis. Ich hatte auch bereits darüber gelesen und halte vieles Gesagte für sehr naiv und zu kurz gedacht. Ob diese Einschätzung die Perspektiven weniger gruselig machen, weiß ich allerdings nicht.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 15. Mai 2017, 08:38

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