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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Klapperstörche am Dümmer


Es gibt sie noch, die Störche. Auf unserer Umwanderung des Dümmers, eines flachen Sees im flachländlicher Norden Deutschlands, erleben wir sie nach Jahren zum ersten Mal wieder in freier Natur. Sowohl auf der Suche nach Nahrung (im angrenzenden renaturierten Ochsenmoor) als auch auf dem Nest, das sich auf einem von Menschenhand angefertigten hohen Pfahl mit einer radartigen Plattform befindet. Was in meiner Kindheit fast zum Alltäglichen gehörte, Störche in freier Natur, ist mittlerweile zu einer Seltenheit geworden.
Um mit einer Körpermasse von ca. 3,5 kg zu fliegen, entfaltet der Storch eine große Flügelspannweite (ca. 2 m). Ohne in physikalische Details zu gehen, kann man sich anschaulich klarmachen, dass die Schwierigkeit zu fliegen, mit der Masse eines Fliegers wächst. Je größer und damit je schwerer ein Flieger ist, desto größere Flügel sind erforderlich. Das Problem ist, dass die Flügelgröße gewissermaßen schneller wachsen muss als die Körpergröße. Dahinter steckt der allometrische Sachverhalt, dass die zum Volumen proportionale Gewichtskraft wie die Größe hoch drei wächst, während die zur Auftriebskraft proportionale Flügelfläche nur wie Größe hoch zwei zunimmt. Die obere Grenze ist also abzusehen. (Wer es genauer wissen will schaue hier nach). Damit lässt sich übrigens auch beweisen, dass der Klapperstorch unmöglich die kleinen Kinder bringt. (Hätte ich dieses Argument früher gekannt, wären die Diskussionen in meiner Kindheit mit meiner Mutter wohl anders verlaufen.)
Dass der Storch bei seiner relativ großen Masse so elegant die Luft durchschneidet und Tausende von Kilometern zurücklegt, um sein Winterquartier aufzusuchen, liegt an den aerodynamischen Tricks, derer er sich dabei bedient. Dazu gehören der Segelflug und die geschickte Ausnutzung von Aufwinden. Den kräftezehrenden Ruderflug, wie man das Flügelschlagen auch nennt, wendet er vor allem beim Starten und bei komplizierten Flugmanövern an.
Zufälligerweise sollten wir eine Kostprobe der Wirkung von Aufwinden direkt am See erleben. Ein Stück dunkler und daher vor dem hellen Hintergrund des Himmels lange zu verfolgender Kunststofffolie erhob sich vor unseren Augen wie von selbst in die Lüfte. Wir warteten vergeblich auf den zu erwarteten Niedergang; es stieg zumindest solange, bis die Auflösungsgrenze unserer Augen unterschritten war und wir es nicht mehr sehen konnten. Dabei war es auf dem Deich, von dem aus wir diesen Illustrationsflug beobachteten, so gut wie windstill.

 

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Diskussionen

7 Gedanken zu “Klapperstörche am Dümmer

  1. Wir haben hier Störche und was Du beschreibst, habe ich schon oft beobachtet! Minutenlang segeln sie kurvenreich durch die Lüfte und verschwinden in großer Entfernung. Das ist faszinierend zu Beobachten!

    LG Babsi

    Verfasst von kunstschaffende | 13. Juli 2017, 15:31

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