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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Physik im Alltag und Naturphänomene

Sich ein Bild von der Natur machen – Fotografierte Natur- und Alltagsphänomene

Schlichting, H. Joachim. Naturwissenschaft im Unterricht Physik 159/160 (2017) S. 58 – 62

Einführung: Wenn man im Rahmen der Physik von Phänomenen im Allgemeinen und Natur- und Alltagsphänomenen im Besonderen spricht, so sind damit nicht einfach nur neutrale Beobachtungsinhalte gemeint. Vielmehr  stellen sie immer schon gewisse Zusammenhänge von Tatsachen dar. Sie entstehen überhaupt erst dadurch, dass man sich auf bestimmte, auffällige physikalische Merkmale von beobachteten Vorgängen im Alltag der natürlichen und wissenschaftlich-technischen Welt konzentriert. Sieht man einmal von jenen spektakulären Großereignissen wie Regenbogen, Mondfinsternis u.Ä. ab, so muss man also schon ein gewisses Vorverständnis mitbringen, um Naturphänomene überhaupt als solche wahrzunehmen. Es genügt nicht, dass  unsere Netzhäute entsprechend belichtet werden; es muss auch jemand hinter ihnen stehen, der sie als dies oder das wahrnimmt. Natur- und Alltagsphänomene muss man gewissermaßen sehen lernen. Es zeigt sich, dass mit einem solchen Erlernen ein physikalischer Blick ausgebildet wird, der in scheinbar ganz alltäglichen Situationen das Phänomenale zu entdecken vermag.
Warum sollte man im Physikunterricht Naturphänomene behandeln? Ist nicht der Unterricht schon seit langen überfordert, die durch immer neue physikalische Entdeckungen stetig wachsende Stofffülle zu bewältigen? Bei der Behandlung von Natur- und Alltagsphänomene geht es weniger um zusätzliche Inhalte, als vielmehr darum, teils überraschende Begegnungen mit bekannten physikalischen Sachverhalten in realen, alltäglichen Zusammenhängen und Situationen außerhalb des Physikunterrichts zu ermöglichen. Dabei geht es auch darum, nicht im fachwissenschaftlichen Gehäuse sitzen zu bleiben, sondern im Sinne der in allgemeinbildenden Schulen angestrebten Emanzipation physikalische Inhalte in authentischen Situationen aufzuspüren, anzuwenden und zu vertiefen. Außerdem erscheint es auch lerntheoretisch geboten, da nicht angewandtes Wissen meist wieder vergessen wird und über kurz oder lang wieder verfällt.
Um Schülerinnen und Schüler für Natur- und Alltagsphänomene zu sensibilisieren, dürften Exkursionen u.A. im Schulalltag die große Ausnahme bleiben. Eine viel größere und vor allem realistisch praktizierbare Möglichkeit sehen wir in der schulischen Auseinandersetzung mit den Phänomenen in Form von Medien, Fotos, Videos, Simulationen etc. Diese können das ursprüngliche Phänomen zwar nicht ersetzen, aber helfen deren Sichtbarwerden außerhalb des Physikunterrichts vorzubereiten und zu initiieren. Sie nehmen eine ähnliche Rolle im Physikunterricht ein, wie das Experiment…

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