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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Ein Algenteppich als Kunstwerk

algen_dsc05594a_rvAlgenteppiche werden in den meisten Fällen als Problem und als Plage angesehen, egal ob sie toxisch sind oder nicht. Man kann aber machen Hervorbringungen dieser Organismen einen gewissen ästhetischen Reiz kaum absprechen.
Der im Foto abgebildete Algenteppich (Ausschnitt) auf einem Gewässer im Münsteraner Schlossgarten existierte nur eine kurze Zeit und zeigte währenddessen immer wieder neue Muster. Durch die träge, vom leichten Wind angetriebene Bewegung des Wassers wurden die Algen wie beim Herstellen von Blätterteig gefaltet und gestreckt. Dabei zeigte sich, das – ebenso wie beim Blätterteig – die einzelnen Schichten kaum miteinander verschmolzen, sondern nur deformiert wurden und auf diese Weise die vorangegangene Dynamik konservierten. Aus physikalischer Sicht erinnert ein solches Gebilde entfernt an einen chaotischen Attraktor, ein rein mathematisches Konstrukt, das aber anschaulich betrachtet eine gewisse „morphologische“ Ähnlichkeit aufweist.
Natürlich ist dieses durch Zufall und Notwendigkeit entstandene Muster völlig nutzlos. Dazu gibt meines Erachtens Fernando Pessoa in seinem Buch der Unruhe eine passende Beschreibung: „Das Nutzlose ist schön, weil es weniger wirklich ist als das Nützliche, das sich fortsetzt und verlängert, während das Belanglose Wunderbare, das unendlich kleine Glorreiche bleibt, wo es ist, nicht  mehr ist als es ist und befreit und unabhängig lebt. Das Nutzlose und das Belanglose eröffnen in unserem wirklichen Leben Zwischenräume einer demütigen Statik„.

 

 

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