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Marginalia, Monatsrätsel

Rätselfoto des Monats September 2017

Was wächst hier?


Erklärung zum Rätselfoto des Monats August 2017
Frage:
Wie könnte dieses Muster in einer Dünenlandschaft entstanden sein?

Antwort: Was hier fast wie eine Pareidolie eines menschlichen Oberkörpers daherkommt, ist ein Foto eines Ausschnitts aus einer Dünenlandschaft am Strand. Entstanden ist die Struktur folgendermaßen. Nach einem kräftigen Regenguss, durch den die oberen Sandschichten durchnässt wurden, sind Menschen darüber gegangen und haben den Boden an bestimmten Stellen unter ihren Tritten verfestigt. Anschließend sind die oberen Sandschichten wieder getrocknet. Der nachts aufkommende Wind hat den Sand wie gewohnt vor sich hergetrieben und neue Dünenlandschaften gestaltet.
Allerdings konnten nur die trockenen und relativ lockeren Sandkörner weggetragen werden. Folglich sind insbesondere die durch die Tritte der Menschen verfestigten Sandpartien erhalten geblieben. Die verdichtende Wirkung eines Fußabdrucks sieht man in der Mitte des Fotos: Links der Abdruck des Vorfußes und rechts der Ferse. Die Schichtung aus dunklem und hellem Sand zeigt an, dass hier durch Verdichtung höhere Schichten stehen geblieben sind als in der Umgebung. Überhaupt ist die Morphologie ein Abbild der Festigkeit des Untergrunds zur Zeit, als der Wind darüber fegte.
Die unterschiedliche Färbung des Sandes zeigt ähnlich wie die Jahresringe eines Baumes die Vorgeschichte der Sandschichtung an. Offenbar wechseln sich Schichten weißen und dunklen Sandes ab.
Wie es zu dieser Schichtung kommt ist eine weitere interessante Frage. Der Sand besteht aus Partikeln unterschiedlicher Größe, Form, Dichte, Farbe etc. von denen rein visuell vor allem die dunklen und hellen Partikel ins Auge fallen. Normalerweise treten die verschiedenen Sandarten gemischt auf und verleihen dem Sand seine charakteristische grau-gelbliche Färbung. Unter dem Einfluss mechanischer Kräfte, also im Sandsturm und bei Lawinenabgängen an den leeseitigen Dünenabhängen kommt es mindestens zu partiellen Entmischungen, die dann besonders gut zu sehen sind, wenn unterschiedliche Farben der unterschiedlichen Sandarten im Spiel sind. Diese Streifenbildung nennt man in der Physik der granularen Materie auch Stratifikation.
Die Ursachen für die Streifenbildung können verschieden sein und hängen von den jeweiligen physikalischen Unterschieden (Größe, Dichte, Form) der Teilchen ab. Einen Eindruck davon kann man sich verschaffen, wenn man eine Mischung zweier Granulate, z.B. Mohnkörner und Zucker an einer Seite in ein flaches durchsichtiges Gefäß, z.B. eine transparente CD-Hülle, fließen lässt. Es ergeben sich deutliche Streifen, wie das untere Foto zeigt.

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Diskussionen

9 Gedanken zu “Rätselfoto des Monats September 2017

  1. Ich nehme an, das es sich um „Dendritenachaten“ handelt=Eisen-, Mangan Rückstände.? (Hegels Naturphilosophie)

    Verfasst von Malabar | 1. September 2017, 15:15
  2. Ha, endlich mal was, das ich als Mineralien- und Steinfreund kenne 🙂
    Meinen herzlichen Dank für die Erklärung und beste Grüße!

    Verfasst von simonsegur | 1. September 2017, 16:55
  3. Aus Hegels Naturphilosophie:
    Das Urgebirge bildet sich heraus, bis wo es seine mineralische Beschaffenheit verliert,
    und da schließt es sich an ein Vegetabilisches an….
    wo man das Mineralische und Vegetabilische nicht mehr unterscheidet…
    [Solche] Anfänge organischer Gestaltungen [sind nicht anzusehen]
    als ob sie einmal wirklich gelebt hätten und dann gestorben seien,
    sondern sie sind totgeborene, (… das Organische als tote Gestalt erzeugt…)
    [Es sind] das Leben darstellende, nicht selbst lebende Formen, …
    [es sind] Spiele und Versuche in organischer Formung….
    ohne Residuen [Reste] einer untergegangenen Tierwelt [und Pflanzenwelt] zu sein.

    Verfasst von Malabar | 1. September 2017, 18:30
    • Vielen Dank! Inzwischen hatte ich die Bezüge zum Plattenkalk bei Hegel unter „Die geologische Natur“ gefunden und bin erstaunt, dass Hegel bereits auf die feinen Unterschiede zwischen Versteinerungen und chemischen Vorgängen (auch wenn er sie nicht so nennt) eingeht.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 1. September 2017, 19:45
    • Danke auch für den Hinweis auf diese Seite. Dort sind die Passagen allerdings bereits vorsortiert bzw. gefiltert. Aber der Bezug zum Plattenkalk ist dort sehr direkt, sogar mit schönen Abbildungen hergestellt worden.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 1. September 2017, 19:48

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