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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Züngelnde Wasserflammen am Strand

wasserflammen_rvWie jeden Tag hatten ihn seine Schritte zum offenen Meer geführt. Sein Blick war vor ihm auf den Boden gerichtet, wo das abfließende Wasser züngelnde Flammen in den Sand gezeichnet hatte. Die Rinnsale, am Ende fadendünn, mündeten in immer beitere Verästelungen, in den weiten, lodernden Flächenbrand des Ozeans…
Lass die Wasserflammen brennen, lass die Wasserflammen brennen. Einmal sagt das Feuer: Es ist gut.*

*Anne Weber: Tal der Herrlichkeiten. Frankfurt 2012

Nachdem ich wie ein aufgeregter Storch in Windeseile durch den heißen Sand auf den Kühle verheißenden feuchten Meeressaum zu gestakst war (als könnte man durch diese Art der Fortbewegung die relative Aufenthaltsdauer in der vergleichsweise kühlen Luft vergrößern), empfand ich den feuchten Einzugsbereich der auf- und ablaufenden Wasserwellen als eine Wohltat. Dennoch drängte sich das Bild züngelnder Flammen auf. Ich fand die Strukturen im nassen Sand so schön, dass ich mich scheute, sie zu zertreten.
Schaut man sich das Muster auf dem Foto genauer an, so erkennt man, dass einzelne winzige Entwässerungsästchen sich zu größeren vereinigen. Diese münden ihrerseits in noch größer ein usw. Im Prinzip lässt sich diese durch Selbstorganisation bestimmte Musterbildung durch sehr einfache einfache Regeln modellieren, die man auch in Form eines einfachen Spiels erreichen könnte.
Die Zufälligkeiten sowohl der Landschaftsmorphologie als auch der Abweichungen des  auf- und ablaufende Wasser  von einem starren Hin und Her modifizieren das typische Muster eines Einzugsbereichs hin zu Strukturen, die an züngelnde Flammen erinnern.
Und obendrein ist das Ganze auch noch schön. Das abgebildete Foto vermag nur eine Momentaufnahme eines komplexen Verhaltens wiederzugeben.

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Diskussionen

3 Gedanken zu “Züngelnde Wasserflammen am Strand

  1. Da fällt mir Victor Schlauenberger ein

    Verfasst von aquasdemarco | 29. September 2017, 00:11
  2. Ups Viktor Schauberger, Namen sind nicht meine Sache

    Verfasst von aquasdemarco | 29. September 2017, 00:14
    • Danke für den Hinweis! Im Unterschied zu Schaubergers Ideen, in denen so etwas wie innewohnende Kräfte vorkommen, passiert hier alles „von selbst“. Wie gesagt, mit einem – zugegeben etwas langwierigen – Spiel kommt man zu den typischen Einzugsmustern von abfließendem Wasser.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 29. September 2017, 09:21

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