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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Ein Keks krümmt sich beizeiten

Irgendwie ist er von Weihnachten übrig geblieben, der Keks. Er war nicht von Anfang an so krumm (Foto). Er hat einige Tage außerhalb seiner luftdichten Verpackung verbracht und sich unter den neuen Umweltbedingungen gekrümmt. Neu ist für ihn dabei vor allem die größere Feuchte. In der feuchten Umgebung ist die Schokoladenseite deutlich standhafter als die Gebäckseite des Kekses. Denn letztere ist aufgrund einiger Inhaltsstoffe, vor allem Zucker, stark hygroskopisch. Das heißt es verbindet sich gern mit Wassermolekülen, die normalerweise als Wasserdampf in der Luft reichlich vorhanden sind. Da das Gebäck außerdem porös ist und aus einem System feiner Kapillaren besteht, kann der Wasserdampf eine große Grenzfläche mit vielen Zuckermolekülen erreichen. Durch die Aufnahme der Wassermoleküle wächst das Volumen des Gebäcks und quillt auf, d.h. dehnt sich aus.
Die Schokoladenseite ist weniger porös, sodass im Wesentlichen nur die Oberfläche dem Wasserdampf der Umgebung ausgesetzt ist. Daher verbindet es sich mit weniger Wassermolekülen und dehnt sich kaum aus.
Was machen zwei festverbundene Hälften, wenn sich die eine streckt und die andere nicht daran denkt es ihr gleichzutun? Es führt dazu, dass sich das ungleiche Paar krümmt. Ein ähnliches Verhalten kennt man übrigens vom Bimetall, deren ungleichen Hälften sich zwar nicht durch Feuchtigkeitsänderung, sondern durch Temperaturänderung ungleich stark ausdehnen und daher krümmen.
Während dieser Effekt beim Bimetall für sinnvolle technische Anwendungen ausgenutzt wird, fällt mir spontan keine Anwendung für den sich krümmenden Keks ein. Er zeigt durch die Krümmung zwar an, dass er feucht und labbrich ist. Immerhin wird der damit verbundene Verlust an Schmackhaftigkeit durch ein interessantes physikalisches Phänomen ersetzt.

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Diskussionen

3 Gedanken zu “Ein Keks krümmt sich beizeiten

  1. Keine Anwendung? Offenbar ist der einseitige Schokokeks der perfekte Luftfeuchtigkeitsmesser!

    Verfasst von Pfeffermatz | 29. Dezember 2017, 10:08

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  1. Pingback: Eiszapfen, die aus dem Boden wachsen | Die Welt physikalisch gesehen - 11. Januar 2018

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