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Marginalia, Physik und Kultur

Auf dem Rücken einer Schildkröte

weltschildkroete_dsc08616rvIm Hinduismus gehört die Schildkröte zu den zehn Verkörperungen Vishnus. In seiner zweiten Verwandlung als Schildkröte trägt er die Welt auf seinem Rücken. Dies stimmt durchaus mit den bilblischen Vorstellungen überein, wonach Gott alle Dinge trägt (Hebr. I.).
Spätestens dann, als sich das heliozentrische Weltbild durchsetzte, verlor die welttragende Schildkröte an Bedeutung. Ich meine jedoch, dass die alte Vorstellung sehr gut mit der Drehung der Erde in Einklang gebracht werden kann. Man muss die Rolle der Kröte nur von der  welttragenden zur weltbewegenden transformieren, was mit Hilfe von vier Rollen leicht zu realisieren ist. Ich zeige dazu in der Abbildung ein kleines Modell. Es funktioniert einwandfrei. Die Erdachse muss nur waagerecht und quer zur Bewegungsrichtung der Kröte auf den Rollen positioniert werden.
Bewegt sich dann die Kröte vorwärts, so drehen sich die Kontinente von West nach Ost, genauso wie wir es tagtäglich erleben. Die mechanische Dialektik der Angelegenheit ist darin zu sehen, dass die Räder sich in entgegengesetzte Richtung drehen. Durch die rollenden Kugeln wird wie bei einem Kugellager die Reibung auf ein Minimum reduziert. Hier zeigt sich, dass auch Götter auf elegante technische Verfahren zur Minimierung der Reibungsverluste zurückgreifen. Bei der enormen Masse der Erde ist das auch verständlich. Schade nur, dass die Menschheit noch Jahrhunderte warten musste, bis das Kugellager im 19. Jahrhundert Eingang in die menschliche Technik fand.

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Diskussionen

12 Gedanken zu “Auf dem Rücken einer Schildkröte

  1. Warum schade, bei der rasanten Entwicklung würde ich denken, eine Langsamkeit der Wissenschaft würde die Menschheit vor ihrem fortschrittlichen Ende, ein wenig länger bewahren.

    Verfasst von aquasdemarco | 13. Januar 2018, 00:45
    • In der Tat eine interessante Frage, ob das Kugellager auch zur Beschleunigung der Wissenschaften beigetragen hat und es weiterhin tun.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Januar 2018, 08:55
      • Sicher wird das Kugellager zur Beschleunigung der Wissenschaften beigetragen haben. Ohne Kugellager gäbe es viele Maschinen und Geräte nicht, oder sie wären fehleranfälliger und gröber, das hätte manche Erkenntnis und manche Entwicklung verzögert oder sogar verhindert, wer weiß.

        Verfasst von gnaddrig | 13. Januar 2018, 18:15
      • Ein kluger Mensch, ich glaube es war Ivan Illich, hat einmal das Kugellager als eine der einflussreichsten Erfindungen der modernen Welt beschrieben. Auf die Schnelle finde ich die Stelle nicht wieder. Ich weiß nur, dass ich mir – als ich das las – vorstellte ein Fahrrad ohne Kugellager fahren zu müssen und fand die Idee sofort überzeugend.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Januar 2018, 20:59
  2. Die Schildkröte ist ein schönes Synonyme dafür, langsam und gelassen lebt sie in den Weiten des Ocean.
    Wäre da nicht der Mensch, könnte die weiter hunderte Jahre alt werden.

    Verfasst von aquasdemarco | 13. Januar 2018, 00:47
  3. Der Schildkrötenpanzer symbolisiert ebenfalls die 9 Felder des Bagua.
    Also ne Menge was die gute Schildkröte da alles zu tragen hat😉😀

    Verfasst von aquasdemarco | 13. Januar 2018, 00:50
  4. Von den anfangs fünf, später vier Elefanten wusste man damals wohl noch nichts…

    Wie es zur Umstellung von der Scheiben- auf die Kugelwelt kam und wie das Sonnensystem eingerichtet und in Betrieb genommen wurde, habe ich übrigens vor einer Weile mal aufgeschrieben.

    Verfasst von gnaddrig | 13. Januar 2018, 18:48
    • Meine Kugelschildkröte hätte sicher manchen Umweg erspart.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Januar 2018, 20:47
      • Bestimmt, die ist technisch sehr elegant. Man müsste nur aufpassen, nicht versehentlich zwischen Planet und Trägerkugel zu geraten. Oder man postuliert ein Magnetschwebeszenario…

        Verfasst von gnaddrig | 13. Januar 2018, 21:16
      • Magnetische Lagerungen sind natürlich noch eleganter; es kommt eine gewisse Elastizität hinzu und – ich denke immer ans Fahrradfahren – das Gefühl, sich völlig losgelöst von der Erde fortzubewegen. Die heutigen Supermagnete lassen diese Vorstellung immer realistischer werden.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Januar 2018, 21:22

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