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Marginalia

Made oder nicht Made. Ist das die Frage?

Erde Apfel SingularitätrvCWenn man herzhaft in einen saftigen Apfel beißt und eine Made vorfindet, so ist das Vergnügen getrübt. Schlimmer noch ist es, wenn nur noch eine halbe Made nach dem Biss im Apfel zappelt. Je kleiner der Rest der Made, umso größer der Ekel angesichts des größeren gegessenen Teils der Made. Am schlimmsten wäre es, wenn von Made überhaupt nichts mehr zu finden wäre. Doch halt, kann es in diesem Fall nicht so sein, dass überhaupt keine Made im Apfel war und ich mich grundlos gräme?
Mathematisch gesprochen haben wir es hier mit einem Problem einer singulären Grenze zu tun: Obwohl sich der Fall eines verschwindend kleinen Stücks der Made, quantitativ so gut wie gar nicht von dem Fall unterscheidet, dass von eine Made nichts vorgefunden wird, sind beide Fälle qualitativ völlig verschieden. An solchen singulären Punkten kann eine kleine Ursache – der winzige Rest einer Made – eine große Wirkung haben, indem das Gefühl, ein unversehrtes Stück Apfel gegessen in den Ekel kippt, eine ganze Made verschlungen zu haben.

In der Physik und Mathematik kommen solche Grenzpunkte an verschiedenen Stellen vor und der Umgang mit ihnen stellt im Allgemeinen eine größere Herausforderung dar. Die wohl berühmteste Singularität ist der Zustand des Universums beim Urknall. „Sein oder Nichtsein“ bzw. „Made oder keine Made“ das ist hier die Frage.

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Diskussionen

5 Gedanken zu “Made oder nicht Made. Ist das die Frage?

  1. Klasse Erklärung. In der Psychologie kennen wir Ähnliches in der umgekehrten Richtung: Man stelle sich einen fast geschlossenen Kreis mit einem kleinen Spalt mit zwei Polen vor. Das Problem wächst und wächst bis es am Negativ-Pol (Abgrund, Tod) ankommt, dann kann ein Seelensprung erfolgen hinüber über den Spalt zum Positiv-Pol, auf die heitere heile Seite – oder natürlich auch der endgültige Absturz. (Der normale Weg bei Therapien ist, langsam das Problem abzubauen, also den ganzen Kreis rückwärts abzuschreiten. Aber das funktioniert halt oft gar nicht. Beispiel Suchtverhalten wie Alkoholiker, Raucher, Drogen….)

    Verfasst von gkazakou | 10. März 2018, 10:49
    • Interessant! Davon hatte ich bislang noch nichts gehört. Mir leuchtet sehr ein, dass man komplexen und komplizierten Vorgängen, wie sie ja vor allem bei psychischen Problemen vorkommen, auf Bilder angewiesen ist, um einen Zugang zu nur schwer zugänglichen Bereichen zu erlangen. Vielen Dank für den Hinweis!

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. März 2018, 18:17
  2. 🤔🙈😂👍😉Herrlich Deine Lehrbeispiele! 👏

    Verfasst von kunstschaffende | 10. März 2018, 15:57
  3. Fein!

    Verfasst von kopfundgestalt | 8. April 2018, 00:31

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