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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Kalte Kunst auf der Regentonne

Das Wasser in dem Fasse hier
Hat etwa Null Grad Reaumur*.
Es bilden sich in diesem Falle
Die sogenannten Eiskristalle.

Wilhelm Busch (1832 – 1908)


* Reaumur ist eine veraltete Einheit für die Temperatur. Sie galt etwa bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Westeuropa. Ich erinnere mich, dass bei meinen Großeltern noch ein Thermometer mit der Aufschrift Reaumur hing. Keinem fiel auf, dass die Einheit nicht mit der seit langem ausschließlich geltenden Einheit Celsius übereinstimmte. Dazu mag beigetragen haben, dass in beiden Skalen der Gefrierpunkt von Wasser als Nullpunkt gilt. Auch wenn der Siedepunkt von Wasser in der Reaumurskala auf 80° statt wie in der Celsiusskala auf 100° festgesetzt ist, spielte das im häuslichen Alltag kaum eine Rolle: Wenn das Thermometer 20° R anzeigte, waren es in „Wirklichkeit“, will sagen: in der inzwischen geltenden Celsiusskala, 25° C. Ich vermute, dass der Unterschied damals deshalb kaum auffiel, weil man insbesondere im Winter mit niedrigeren Zimmertemperaturen auskam als heute. Es ist durchaus denkbar, dass in zahlreichen Haushalten eine Zimmertemperatur von 20° C damals so empfunden wurde wie heute 25° C.

Diskussionen

8 Gedanken zu “Kalte Kunst auf der Regentonne

  1. wieder ein fabelhaftes Foto. und informativer Text. Danke.

    Verfasst von gkazakou | 18. März 2018, 00:06
  2. Man saß halt gerne am Kachelofen oder in dessen Nähe, trug auch in der Wohnung Pullover und bei Bedarf noch eine Strickjacke drüber, und die Zimmertüren wurden schön geschlossen gehalten, weil es sonst vom Korridor her kalt herein zog.
    In Berlin-Marienfelde gibt es die sog. Thermometersiedlung. Sie heißt so wegen der nach Celsius, Fahrenheit und Reaumur benannten Straßen. Typische Stadtrandbesiedlung aus den 70er Jahren und heute eher sozialer Brennpunkt. Vielleicht weil die Regentonnen und die Kachelöfen fehlen, und die Kids sich nicht sonderlich für Thermometer interessieren – außer wenn es um Hitzefrei geht.

    Verfasst von christahartwig | 18. März 2018, 09:03
    • So habe ich das als Kind auch noch erlebt.
      Vielen Dank für den Hinweis auf die Thermometersiedlung in Berlin. Als veritabler Flaneur werde ich mir dieses Viertel bei einer meiner nächsten Berlinaufenthalte mal vornehmen. Als ich mir die Karte schon mal anschaute, stieß ich auf die Osdorfer-Straße, die bei mir sofort die Erinnerung an den Osdorfer Born in Hamburg wachrief, den ich in meiner Hamburger Zeit kennengelernt habe.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 18. März 2018, 09:51
      • Osdorfer Straße ist ein S-Bahnhof an der erst in den letzten Jahren bis nach Teltow-Stadt verlängerten Strecke der S25. Ich bin da nur versehentlich mal ausgestiegen, weil ich so in mein Buch vertieft war, dass ich meinen „Heimatbahnhof“ um zwei Stationen verpasst habe. Schau Dir die Gegend da ruhig an. Ich vermute aber, Du wirst zu dem Schluss kommen, dass Celsius, Fahrenheit und Reaumur was Besseres verdient hätten.

        Verfasst von christahartwig | 18. März 2018, 12:49
      • Die Verheißungen, die mit diesen Namen und mit „Thermometersiedlung“ verbunden sind, überwiegen trotz deiner Warnung und wenn schließlich nicht viel mehr dabei herauskommt als die Fotos von den Straßenschildern.;-)

        Verfasst von Joachim Schlichting | 18. März 2018, 17:49
      • Alles klar. 🙂
        Könnte glatt ich sein.

        Verfasst von christahartwig | 18. März 2018, 17:57

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