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Marginalia

Was brauchst du?

was brauchst du? Einen Baum ein Haus zu
ermessen wie groß wie klein das Leben als Mensch
wie groß wie klein wenn du aufblickst zur Krone
dich verlierst in grüner üppiger Schönheit
wie groß wie klein bedenkst du wie kurz
dein Leben vergleichst du es mit dem Leben der Bäume

du brauchst einen Baum du brauchst ein Haus
keines für dich allein nur einen Winkel ein Dach
zu sitzen zu denken zu schlafen zu träumen
zu schreiben zu schweigen zu sehen den Freund
die Gestirne das Gras die Blume den Himmel

Friederike Mayröcker (*1924)

An Julia:
Dem Gedicht Friederike Mayröckers entsprechend sind inzwischen die meisten Bedingungen erfüllt, sodass du in dieser Gewissheit heute deinen Geburtstag begehen und feiern kannst. Dazu gratulieren wir dir, liebe Julia, herzlich und wünschen dir viele Gelegenheiten, sowohl zu den Bäumen aufzublicken (vom Haus aus) als auch unter dem Dach der Bäume zu denken, zu schreiben und zu träumen.
Bedenke außerdem, dass die 38 eine einzigartige Besonderheit hat:  Sie stellt die Reihensumme des einzigen nichttrivialen magisches Sechsecks mit der Seitenlänge n = 3 dar. Daraus müsste sich doch was machen lassen.
(Der Baum mit dem auch etwas in die Jahre gekommenen „Julia“- Tattoo steht übrigens im Hüggel.)

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Diskussionen

8 Gedanken zu “Was brauchst du?

  1. Schön, auch mit einem mathematischen Gruß verbunden. Ist Julia auch ein Freund der Wissenschaft?

    Verfasst von kopfundgestalt | 15. Mai 2018, 09:38
  2. Als solchen sehe ich mich auch an. Etwas fällt mir ein:
    Ich dachte einst, ich könnte in spirituellen Blogs /Seiten auch Wissenschaftliches einbringen – schnell wurde ich rausgekegelt. Ähnliches widerfuhr mir auch auf wissenschaftlicher Seite: Als ich mal aufgrund der ungeheuren Komplexität des Lebendigen eine Bemerkung fallen lies, daß man fast annehmen könne, „eine Hand“ , eine übergeordnete Macht wäre tätig gewesen, da schrie man „Vorsicht! Kein Kreationismus!!“.
    Normalerweise gibt es Disziplinen, in denen man sich bewegt und zu bewegen hat und wehe, man verlässt sie oder schaut über den Tellerrand.

    Mein Blogtitel hat eigentlich diesen Wunsch zur Grundlage, mich in allem möglichen bewegen zu wollen und zu dürfen.

    Verfasst von kopfundgestalt | 15. Mai 2018, 12:13
    • Sobald man die eingefahrenen Wege des jeweiligen wissenschaftlichen Paradigmas verlässt, setzt man sich natürlich der Kritik aus. Dabei kommt insbesondere zum Ausdruck, dass es in der aktiven Forschung tätigen WissenschaftlerInnen schwerfällt, alternative, zumindest teilweise inkommensurable Sehweisen zu akzeptieren. Wissenschaftstheoretisch muss der extreme Reduktionismus, wie er in den Naturwissenschaften praktiziert wird m.E. jedoch als eine Art Forschungsapriori angesehen werden. Würde ein rund um die Uhr mit einem Problem ringender Forscher seine sehr fokussierten Aktivitäten ständig dadurch relativieren, dass möglicherweise alles ganz anders ist, würde er oder sie sich vermutlich nicht zu den Extremleistungen motivieren können, die zur Lösung eines großen Problems führen.
      Damit soll nicht gesagt werden, dass die Forscher berechtigt sind, diese Auffassung auch auf andere Bereiche insbesondere der Lebenswelt zu übertragen.
      Dazu ein Zitat des berühmten Physikers Arthur Eddington: „The materialist who is convinced that all phenomena arise from electrons and quanta and the like controlled by mathematical formulae, must presumably hold the belief that his wife is a rather elaborate differential equation; but he is probably tactful enough not to obtrude this opinion in domestic life.“ Er bringt damit auf den Punkt, wie lächerlich es ist, die physikalische Sehweise zu verabsolutieren. Das gilt mutatis mutandis auch für andere Wissenschaften.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 15. Mai 2018, 17:56
      • Danke. 🙂
        Ich kenne persönlich nur einen „spirituellen“ Menschen näher, der Wissenschaft gegenüber völlig aufgeschlossen ist. I.d.r. wird sie in diesen Kreisen dämonisiert oder geringgeschätzt. Ich bin der Auffassung, dass nur wissenschaftliche Methoden uns in Umwelt- und Energiefragen helfen werden.
        Umgekehrt diskutiere ich gerne mit spirituellen Menschen über Einserfahrung und Erwachen. Wenn ein Freund von mir Reiki -Lehrer ist, fühle ich mich nicht veranlasst, seine Auffassungen anzugreifen oder zu hinterfragen. Solange er nicht behaupten würde, “ alles sei Liebe“, da würde es nämlich bei mir aufhören.
        Das in aller Kürze. Verknappt.
        Lieben Gruß
        Gerhard

        Verfasst von kopfundgestalt | 15. Mai 2018, 21:25
      • Das sehe ich genauso. Ebensowenig wie alles Liebe ist, kann alles wissenschaftlich beschrieben werden. Wir kommen nicht umhin, die Vielperspektivität der Welt zu akzeptieren und einfachen Lösungen zu entsagen. LG, Joachim.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 16. Mai 2018, 08:48

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