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Physik im Alltag und Naturphänomene

Sonnentaler als Maßstab

Als ich gegen Mittag gemächlich mit dem Fahrrad unter diesem kathedralenartig hohen Gewölbe entlangfahre, ist es fast so als würden mich naturheilige Gefühle überkommen. Aufgespannt wird dieses lichtdurchflutete grüne Dach durch Buchen, die sich in großer Höhe wie ein Baldachin vereinigen. Wie hoch mag das grüne Gewölbe wohl sein? 15 Meter? 20 Meter? Wozu lange herumraten. Die Hinweise auf die Höhe liegen hier doch auf der Straße in Gestalt von ellipsenförmigen Sonnentalern, die wegen der hochstehenden Sonne und perspektivischen Verkürzung fast kreisförmig sind. Ich schätze den (kleineren) Durchmesser auf 30 cm ab. Da das Verhältnis von Sonnenentfernung zu Sonnendurchmesser 108 beträgt und gleich dem Verhältnis der Entfernung des Sonnentalers vom Loch im Blätterdach zum Durchmesser des Sonnentalers ist, muss ich nur noch die 30 cm mit dem Faktor 108  (naja wegen der groben Schätzung genügt der Faktor 100) multiplizieren und komme auf einen Wert von 30 Meter. 30 Meter! beeindruckend! Es sind aber auch die größten Sonnentaler, die ich bislang vor das Objektiv bekommen habe. Wird das zu toppen sein?

Wer sich für den physikalischen Hintergrund dieser Abschätzung interessiert, schaue sich einen früheren Aufsatz an. Und wer sich über die Sonnentaler etwas genauer informieren möchte, kann das hier tun. Weitere Beiträge zu Sonnentalern im engeren und weiteren Sinne findet man hier und hier und hier und hier.

 

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Diskussionen

6 Gedanken zu “Sonnentaler als Maßstab

  1. Diese Sonnentaler kenne ich, habe sie aber kaum bewusst wahrgenommen. Schön. das mit der 108! Praktische Physik.
    Morgen schaue ich mir hoff. die früheren Beiträge hierzu an.

    Verfasst von kopfundgestalt | 19. Juni 2018, 00:33
  2. Wirklich beeindrucken grosse Taler die dir dort „erschienen“ sind. Auf meinen Touren habe ich bis anhin nur kleiner Taler gesehen. Da zeigt sich wieder einmal, wer zur rechten Zeit am rechten Ort ist, wird „belohnt“ 😉

    Verfasst von Malabar | 19. Juni 2018, 13:35
    • Die großen Taler sind insofern seltener, weil zwei Dinge zusammen kommen müssen. 1. sehr hohe Bäume in relative dichtem Bestand (damit weiter unten keine störenden Äste sind), und 2. eine ebene Projektionsfläche (wie in diesem Fall die Asphaltstraße). Auf dem unebenen Waldboden würde man die Sonnentaler kaum als solche erkennen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 19. Juni 2018, 14:21
  3. Wieder mal hochinteressant. Von Sonnentalern hatte ich noch nie gehört. Die Form hätte ich mir ähnlich wie die Schüler in dem oben verlinkten Text erklärt – Unschärfe. Auf die Idee, die Form so eines Talers vom Loch in der Jalousie bis auf den Boden zu verfolgen, wäre ich vielleicht gekommen, wenn die Unschärfeerklärung nicht vorgaukeln würde, dass keine Fragen mehr offen sind.

    Habe das übrigens gleich mal getestet und die Entfernung von der Jalousie zur Tischplatte bestimmt. Ziemlich genau, die Methode.

    Verfasst von gnaddrig | 19. Juni 2018, 16:11
    • Das nenne ich kreativen Transfer. Gratulation!
      Wenn man umgekehrt das Verhältnis der Entfernung von der Jalousieöffnung zum Durchmesser des Sonnentalers auf der Tischplatte bildet, hat man eine Abschätzung des Verhältnisses von Sonnenentfernung zu Sonnendurchmesser, ein astronomisches Ergebnis, ohne die Bude verlassen zu haben.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 19. Juni 2018, 19:10

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  1. Pingback: Farbige Sonnentaler in der Kirche | Die Welt physikalisch gesehen - 12. Juli 2018

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