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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Fußspur im Sand

Eines Tages, da ich gegen Mittag zu meinem Boot ging, gewahrte ich zu meiner großen Bestürzung am Strand den Abdruck eines nackten, menschlichen Fußes, der im Sand ganz deutlich zu sehen war.

Daniel Defoe (1660 – 1731): Robinson Crusoe

Manche Menschen sehen auf dem Foto statt eines „Eindrucks“ in den Sand eine nach oben gestülpte Figur. Diese Phänomen, das teilweise davon abhängt, aus welcher Richtung man das Foto betrachtet, ist seit langem Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.  In noch stärkerem Maße tritt diese Wahrnehmungstäuschung bei einer Hohlmaske auf, deren Fotos stets als erhabenes Gesicht gesehen wird.
Die Entdeckung von sonderbaren Fußspuren am Strand, die schließlich zur Erkenntnis führen, dass es die eigenen sind, werden manchmal auch als Metapher für die Selbstbezüglichkeit der Forschung angesehen.

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Diskussionen

6 Gedanken zu “Fußspur im Sand

  1. Das passt ganz gut zu Stanislav Dehaene’s Buch „Denken“, das ich gerade lese.
    Wahrnehmungstäuschungen. Die weisen darauf hin, wie das Gehirn Informationen verarbeitet.

    Das Gehirn muß entscheiden und interpretieren. Wenn ein Bild „flackert“ und zwischen 2 Deutungen hin und herspringt, dann liegen zwei unterschiedliche Bewertungen unbewusster Art vor. Da die Diskrepanz nicht aufzulösen ist, taucht im Bewusstsein entweder die eine Lösung oder die andere nacheinander auf.
    Erzielen kann man so einen Effrekt im Versuch, in dem man beiden Augen unterschiedlichen Input darbietet.

    Verfasst von kopfundgestalt | 5. Juli 2018, 00:21
  2. Egal, wie das Foto vor meinem Auge drehe und wende, ich schaffe es nicht, einen „Eindruck“ zu sehen.

    Verfasst von Pfeffermatz | 5. Juli 2018, 08:32
    • Interessant! Ich schaffe es manchmal für kurze Zeit, aber dann entgleitet es mir wieder und ich sehe es auch wieder erhaben. Als ich das Foto einem Publikum von ca. 20 Leuten in 4 jeweils um 90° gedrehten Positionen zeigte, waren doch einige dabei, die es als „Eindruck“ sahen. Einer sah es in keiner Position erhaben und wunderte sich über die Probleme der anderen..

      Verfasst von Joachim Schlichting | 5. Juli 2018, 08:43
      • Ob sich daraus Rückschlüsse über die Gehirne oder gar der Psyche der „Probanden“ ziehen lassen (nicht, dass der eine ein Psychopath war…)?

        Verfasst von Pfeffermatz | 5. Juli 2018, 08:48
      • Sinnestäuschungen sind in der Tat für die Hirnforschung wichtig. Der Proband war ein Student und ist inzwischen Physiklehrer :-).

        Verfasst von Joachim Schlichting | 5. Juli 2018, 08:59

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