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Marginalia

Wege 9: Dünenwanderung

Hier ging ein Mensch, seine Spur verrät, dass er nicht ganz zielstrebig voranschritt. Er muss überlegt haben, wie er den nächsten Dünenabhang durchqueren würde. Zweimal weicht er vom „Weg“ ab, bevor er in der ursprünglichen Richtung weitergeht. Vielleicht hat er gesehen, dass es an der linken Seite steiler heruntergeht als gedacht. Er zögert, direkt auf seinen alten Weg zurückzugehen, tut es schließlich aber doch und bleibt dann bei seinem ursprünglichen Vorsatz, der vielleicht lautete, den direkten Weg, Luftlinie sozusagen, einzuschlagen, weil die Hindernisse auch dort nicht größer sind, als bei sorgfältig ausgewählten Umwegen. Ganz ist er dann doch nicht bei diesem Vorsatz geblieben, wie der weitere Verlauf im Hintergrund des Bildes sichtbar macht. Die Spur geht entlang der Luvseite der Dünen, die ist vom permanenten Aufprall der windgetriebenen Sandkörner einigermaßen trittfest komprimiert. Der Leebereich ist hingegen eher mit einem Sumpf zu vergleichen, man gleitet, sinkt ein und setzt sich einem kräftezehrenden Vorankommen aus, es sei denn man möchte schnell von der Düne in die Senke, dann kann man sich zum Passagier einer flotten, weichen Lawine machen und landet ohne viel hinzuzutun sehr schnell ganz unten. Derselbe Weg zurück gelingt allerdings nur mit äußerster Anstrengung.
Spuren erzählen Geschichten, wenn man sich auf sie einlässt.

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Diskussionen

3 Gedanken zu “Wege 9: Dünenwanderung

  1. Das ist die Ästhetik, von der Du unlängst sprachst.

    Ich hatte ein schlechtes Erlebnis letztes Jahr: Meine Frau und ich gingen zwei verschiedene Dünen-Anhöhen hoch, weil jeder glaubte, sie sei leichter als die andere. Doch waren beide Anhöhen offenbar verschieden hoch und so fand ich sie „oben“ in den ganzen Wellen nicht mehr. Mir war hinterher klar, wo der Denkfehler war.
    Gottseidank ging das Ganze gut aus.

    Verfasst von kopfundgestalt | 11. Juli 2018, 00:34
    • Dünenwanderungen haben es in sich, vor allem wenn die Dünen etwas höher sind. Ich habe einige eindrucksvolle Erlebnisse dieser Art auf der „Dune du Pilat“ bei Arcachon gemacht.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Juli 2018, 19:17
      • Überhaupt kann man sich oft (trefflich) verschätzen. Ab und an ist es gut, dem eigenen „Kompass“ nicht zu sehr zu (ver)trauen. Das nochmal zur geschilderten Notlage 🙂

        Verfasst von kopfundgestalt | 11. Juli 2018, 22:13

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