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Physik im Alltag und Naturphänomene

Insektenfriedhof auf einer Straße

Vor kurzem stieß ich auf einer wenig frequentierten Straße auf ein merkwürdiges Phänomen. Von weitem sah es im flirrenden Gegenlicht so aus wie Schneegestöber. Bei Temperaturen von über 30° C konnte ich diesen Gedanken getrost wieder fallenlassen und ihn durch die Assoziation entleerter Federbetten ersetzen. Aber kaum gedacht bot sich mir (aus Sicht der Betroffenenen) ein Bild des Grauens dar. Tausende von toten Insekten mit weißen, transparenten Flügeln waren hier haufenweise zum Spielball des Windes geworden (Zur Vergrößerung auf Bilder klicken). Das Ereignis muss innerhalb eines kurzen Zeitraums geschehen sein. Denn obwohl hin und wieder ein Auto vorbeifährt, waren die toten Insektenleiber weder plattgefahren noch sonst wie zerfleddert. Ich habe bis heute nicht herausfinden können, war hier passiert war. Kennt sich da jemand aus?

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Diskussionen

14 Gedanken zu “Insektenfriedhof auf einer Straße

  1. Leider nicht.
    Ich kenne so ein Phänomen von einem Bericht über einen urbanen Baum,der Silberlinde, unter dem ein Meer an toten Hummeln zu finden war.
    Man fand heraus, daß die Hummeln als letzte verfügbare Nahrungsquelle diesen Baum anflogen und auch dort nicht genug zum Überleben vorfanden.

    Verfasst von kopfundgestalt | 28. August 2018, 00:14
  2. Letzthin fand ich eine von einem Biologen geäusserte Aussage: „Wir befinden uns, was das Insektensterben betrifft, … in freiem Fall“. Eine harte, sehr harte Aussage. Aber man kann sie wohl so treffen. Es dürfte statthaft sein.

    Verfasst von kopfundgestalt | 28. August 2018, 00:19
  3. Es sind Eintagsfliegen (Ephemeroptera) vermute ich wegen der Form der Flügel.
    Die Larven der Eintagsfliegen leben im Wasser und verlassen zur Paarung für eine kurze Lebensspanne, sind jedoch nicht zur Nahrungsaufnahme in der Lage, sondern sterben nach dem Hochzeitsflug quasi an Erschöpfung.
    Vor Jahren gab es wegen ihnen einen Feuerwehreinsatz bei Schwandorf in Bayern, wo sich dass Ganze wegen der Massenhochzeitsflüge und anschliessendem Tod auf Brücken über den Fluss Naab verkehrsgefährdend entwickelt hatte.

    Verfasst von puzzleblume | 28. August 2018, 09:51
    • Danke für die plausible Erklärung. Ich habe irgendwie gehofft, dass es etwas Natürliches ist, denn Hiobsbotschaften über die Insekten habe ich für dieses Jahr genug zu verdauen gehabt. Beeindruckend finde ich einerseits die Masse der Tiere und das Timing des Sterbens. Denn um diesen riesigen Haufen zu hinterlassen müssen sie ja ziemlich gleichzeitig gestorben sein. Ich fand keine einzige lebende Fliege unter ihnen, obwohl viele noch völlig unversehrt aussahen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 28. August 2018, 10:05
      • Die Natur hat schon sehr seltsame Wege rund um das Fortpflanzungsgeschehen entwickelt, gerade in der Insektenwelt ist es keine Ausnahme, dass Imagos ohne Mundwerkzeuge den Lebenszyklus beschliessen, den wir Menschen als den Hauptteil ihres Lebens fehlinterpretieren, bloss weil sich lediglich das Finale unseren Augen offenbart. Es gibt auch Schmetterlinge mit sehr reduzierten oder gar keinen Mundwerzeugen. Bei diesen Tieren reicht die bis zum Ende des Larvenstadiums gesammelte Energie gerade eben, um Befruchtung und Eiablage zu absolvieren. Die „Haufenbildung“ der anschliessend sterbenden Eintagsfliegen liegt am unter diesen Umständen notwendigen Timing auf ein schmales Zeitfenster und daran, dass sie sich deshalb von den Uferbereichen ihrer Ursprungsgewässer nicht entfernen.

        Verfasst von puzzleblume | 28. August 2018, 10:19
      • Das ist ein wichtiger Punkt, den man als Laie oft übersieht: Die Tierchen haben als Imagos ja schon ihr Leben weitgehend gelebt. Danke für diese plausible Ergänzung. Die Fotos habe ich übrigens in unmittelbare Nähe zum Rhein (Bad Honnef) gemacht, sodass die Frage des Ursprungsgewässers auch geklärt ist.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 28. August 2018, 10:53
      • Ich wollte schon fragen, wo 🙂

        Verfasst von puzzleblume | 28. August 2018, 10:54
    • Das ist interessant. Danke für die Aufklärung.:-)

      Verfasst von kopfundgestalt | 28. August 2018, 10:50
  4. Im Bildband „Einfach unglaublich“, der preisgekrönte Tierfotos zeigt, fand ich kürzlich ein ähnliches Beispiel, das sich auf einer Brücke über den spanischen Fluss Ebro abspielte – eine Szene wie in einem Schneesturm. Genau wie von Puzzleblume erklärt, gab es dort eine Massenpaarung der Eintagsfliegen. Danach suchen die Weibchen zur Eiablage die Wasseroberfläche, die sich im Mondlicht spiegelt. Durch Straßenlaternen glänzt aber der Straßenbelag ähnlich wie das Wasser, so dass die Insekten in die Irre geführt werden und gar nicht zur Eiablage kommen. Sehr bedrückend, wenn das so häufig passiert.

    Verfasst von Petra Wiemann | 28. August 2018, 13:36
    • Wer hätte gedacht, dass dieser kleine Beitrag so viel Anklang findet. Was ich ursprünglich für ein nebensächliches Detail hielt, nämlich dass die von mir erwähnte Straße an der Stelle gerade einen kleinen Nebenarm des Rheins in Bad Honnef überbrückt, erweist sich nach Puzzleblumen und nun auch deinem ergänzenden Beitrag als wichtig. Offenbar liegt hier eine ähnliche fatale Täuschung für die Eintagsfliegen vor. Statt auf dem Wasser sind die Tierchen vermutlich auf der blendend hellen Brücke gelandet, ohne einen wesentlichen Lebenszweck erfüllt zu haben, die Eiablage. Das Ganze muss in relativ kurzer Zeit passiert sein. Auf dem Hinweg zur Rheininsel war die Brücke noch völlig frei, erst nach einem vielleicht halbstündigen Spaziergang fand ich auf dem Rückweg die Szene vor.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 28. August 2018, 14:05

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