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Physik im Alltag und Naturphänomene

Halbmond mit Ketchup

Beim gemeinsamen Essen nach einem Vortrag über den “schielenden Mond” war es fast selbstverständlich, dass mehrere Personen in meiner Pizza einen Halbmond sahen. Dabei kam die Frage auf, ob der Halbmond in dieser Stellung überhaupt gesehen werden könne. Da ich es nicht wagte, die Pizza zu essen, solange die Frage nicht geklärt war und ich keine Lust auf ein kaltes Essen hatte, empfahl ich sich eine nächtliche Reise von Südafrika nach Deutschland vorzustellen, bei der man den Halbmond im Blick behielt. Damit war zwar die Frage nicht geklärt, aber während über die Antwort nachgedacht wurde, konnte ich Ruhe den Mond kulinarisch bis zum Neumond abnehmen lassen.
Meine Frage kam nicht von ungefähr. Ich selbst hatte auf einer solchen nächstlichen Flugreise von Johannesburg nach Frankfurt den beim Start um ca. 23 Uhr aufgegangenen Halbmond stets im Auge behalten. Zunächst war mir aufgefallen, dass der abnehmende Mond (ein zunehmender Halbmond geht gegen Mittag auf) „falsch“ orientiert war. Zuhause in Deutschland heißt es: Wenn der Mond wie ein handgeschriebenes kleines a aussieht, handelt es sich um den abnehmenden Mond, ansonsten um den zunehmenden. Hier aber war der Mond wie ein deutsches „z“, also umgekehrt orientiert. Das muss aber ja auch so sein, denn ich sehe ja vom anderen Ende der Welt den Mond kopfstehend.
Also verfolgte ich den Mond während des Nachtflugs, indem ich immer wieder die Jalousie am Flugzeugfenster etwas hochschob. Dabei stellte ich fest, dass der Mond sich immer mehr „auf den Rücken legte“ und schließlich wie ein Nachen mit der Krümmung nach unten orientiert war, genauso wie die Halbmondpizza auf dem Foto. Wir befanden uns also in der Äquartorialgegend, wo die Sonne ziemlich senkrecht auf- und untergeht. Denn die gekrümmte Seite ist der Sonne zugewandt.
Die Äquatorialgegend nach Norden verlassend, blickt man wieder zunehmend schräge auf den Mond, wobei dieser sich allmählich wieder zur Seite, diesmal aber in die gewohnte Richtung neigt.
Als wir mit dem Essen fertig waren und die Sprache auf die Antwort der Mondfrage kam, tischte ich schließlich – gewissermaßen zum Nachtisch – genau dieses Erlebnis des Nachtflugs auf, wobei man in Ermangelung der formvollendeten Halbmondpizza ein Buch zur Hilfe nehmen musste, um mehr recht als schlecht die Orientierungsänderung des Monds während des Flugs zu illustrieren. Ein Glück, dass die Pizza gegessen war!

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Diskussionen

8 Gedanken zu “Halbmond mit Ketchup

  1. Essen geht vor! Bei aller Diskussionsfreude!
    Uns ist es schon passiert, daß wir nächtens in der Werkstatt mit Ton modelten und das eingeschenkte Weinglas nach einer Stunde immer noch nicht angerührt war.

    Verfasst von kopfundgestalt | 7. September 2018, 10:22
  2. wieder sehr instruktiv. Immer ziehe ich das Morgenstern-Gedicht zu Rate, wenn ich mir nicht schlüssig bin. ob ich nun einen zu- oder abnehmenden Mond am Himmel sehe Aber klar, auf der Südhalbkugel herrschen andere Gepflogenheiten und Süterlin ist unbekannt.

    Der Mond

    Als Gott den lieben Mond erschuf,
    gab er ihm folgenden Beruf:

    Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
    sich deutschen Lesern zu bequemen,

    ein a formierend und ein z –

    daß keiner groß zu denken hätt’.

    Befolgend dies ward der Trabant
    ein völlig deutscher Gegenstand.

    Anmerkungen (Wikisource)

    Die Schreibrichtung der Buchstaben a und z in deutscher Schrift konnte zum merken der Mondphasen verwendet werden. Zu sehen ist dies am Originaltext.

    Verfasst von gkazakou | 7. September 2018, 15:02
    • Morgenstern hat gleichzeitig die typisch deutsche Vereinahmung vieler Dinge subtil aufs Korn genommen. Deswegen mag ich das Gedicht auch sehr. Letztlich braucht man das deutsche z gar nicht. Denn wenn er keine a-Form aufweist, ist der Mond eben zunehmend.
      Wenn du auf der Südhalbkugel einen Kopfstand machst oder – was wesentlich leichter ist – dich nach vorn beugend durch die leicht gespreizten Beine hindurch auf den Mond blickst, hast du wieder deutsche Verhältnisse. Im wesentlich dichter am Äquator liegenden Griechenland sieht man manchmal den Mond fast wie einen Nachen mit der gekrümmten Seite nach unten.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 7. September 2018, 18:34
      • Ja, den Nachen habe ich auch schon oft gesehen.
        Und jetzt sehe ich auch, dass der Kommentar durchaus da war, der zweite ist daher obsolet.

        Verfasst von gkazakou | 7. September 2018, 19:46
  3. Die

    Verfasst von gkazakou | 7. September 2018, 16:49

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