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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Hoppe hoppe, Reiter…

hoppe_hoppe_reiter_rv… wenn er fällt, dann schreit er.
Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben.
Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumps!
Ein alter Kinderreim

Manche Bilder aus der Kindheit scheinen nie zu verschwinden. Bei diesem Anblick (Foto), ging mir ohne bewusste Gedanken dazwischen der alte Kindervers durch den Sinn verbunden mit dem Bild und dem nahezu authentischen Gefühl, wie ich auf den Knien meiner Mutter sitzend, beim „Plumps“ kopfüber nur ein Stück über dem Boden schwebte, um anschließend mit einem Anflug von Schwindel laut lachend wieder in die aufrechte Lage zurückzukommen, aber nur um die Aktion sofort zu wiederholen.
Wieso sitzt das so fest, wieso sind derartige frühe Erlebnisse offenbar lebenslänglich so präsent? Dagegen habe ich „wichtige“ oft gar nicht lange zurückliegende Dinge längs vergessen, woran ich manchmal peinlich erinnert werde. Oder sind diese frühen Erlebnisse gar nicht unwichtig? Wirken sie vielleicht auf eine „unterirdische“ Weise ganz anders als der vordergründige Inhalt auszusagen scheint?
Auf jeden Fall ist es eine frühe Form der Auseinandersetzung mit der Schwerkraft, die uns ein Leben lang betrifft. Aufrecht zu bleiben, obwohl uns alles zum Erdmittelpunkt zieht, macht uns vor allem in jungen Jahren und im hohen Alter zu schaffen. Sportliche Aktivitäten, Springen, Laufen, Schwimmen und andere Arten der Fortbewegung, aber auch Ballspiele sind alles auf Kraft  und Geschicklichkeit beruhende Bemühungen, die Schwerkraft zu überwinden, auszutricksen bzw. auszunutzen.
Energetisch betrachtet geht es in allen Fällen (sic!) darum, den bei der Annäherung des Körpers an die Erdoberfläche stattfindenden Übergang der Höhenenergie in Bewegungsenergie, so zu steuern, dass letztere zu einer Wiederentfernung von der Erde umgelenkt (z.B. elastischer Stoß) oder in einem der körperlichen Unversehrtheit zuträglichem Maße in thermische Energie der Umgebung umgewandelt wird.
Die Frage, ob man sich beim Fall der Erde nähert oder einem die Erde entgegenkommt, hängt davon ab, wo man sein Bezugssystem verortet, wie in der folgenden Situation eines stürzenden Menschen zum Ausdruck kommt, der dem Wein zu sehr zugesprochen hat: „Ich tastete mich durch den Hof, bis der Hof sich plötzlich erhob und mir kräftig eins auf die Schnauze gab. Aber ich ließ mich nicht zurückhalten, nahm, wenn auch wankend, meinen Weg wieder auf, mehrmals kam der Hof wieder hoch und verpaßte mir viele Abreibungen hintereinander“ (LuigiMeneghello. Wieder da! Berlin 1993).

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Diskussionen

11 Gedanken zu “Hoppe hoppe, Reiter…

  1. Wie schwer man fällt, fallen kann, zeigte mir unlängst ein Sturz auf der Landesgartenschau, als ich unbedingt ein Balancierbrett ausprobieren wollte. Passierte tat nichts, ausser daß die Schwerkraft spürbar mächtig zulangte und metallene Gegenstände in der Hose knirschten.
    Als Kind fällt man in der Regel leichter. Mir warf mal jemand etwas in die Speiche und beim Sturz übers Fahrrad passierte mir nicht allzuviel.

    Verfasst von kopfundgestalt | 17. September 2018, 08:00
  2. Die Erinnerung an manche kindlichen Erlebnisse haben sich wahrscheinlich durch die Verknüpfung von physischem und emotionalem, psychischem Erleben auf verschiedene Weise mehrfach im Gedächtnis verankert.

    Verfasst von puzzleblume | 17. September 2018, 08:57
  3. Lieber Joachim,
    mit der Schwerkraft stand ich als Kind immer auf Kriegsfuss, denn ich habe ständig Fallobst gespielt. Ich bin überall hochgeklettert und habe die letzten Meter, beim Abstieg, einfach abgekürzt!😂🤗
    Vom Pferd bin ich nur ein einziges Mal runtergeflogen, im Rodeo war ich gut!😂😉

    Liebe Wochenanfang Grüsse Babsi

    Verfasst von kunstschaffende | 17. September 2018, 12:10
    • Dann bist du ja, liebe Babsi, eine richtige Draufgängerin gewesen und deine Knie müssten einige Spuren davongetragen haben. Meine Bekanntschaften mit der Schwerkraft beziehen sich hauptsächlich auf Stürze mit dem Rad. Zum Glück haben wir alles glimpflich überlebt. Auch dir eine schöne Woche und liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 17. September 2018, 17:35
  4. „Wieso sitzt das so fest, wieso sind derartige frühe Erlebnisse offenbar lebenslänglich so präsent?“ I
    Weil sie damals als körperlich-sinnlich erfahren und im Körper-Gedächniss abgespeichert wurden, bzw bei entsprechenden Reizen u.a Bilder, Töne, Gerüche, wiederbelebt bzw. wieder an die Bewusstseinsoberfäche (als Erinnerungen) uns bewusst werden. Dieses „Gedächnis kennt keine Zeit, daher fühlt man sich in solchen wieder aktivierten Kindeheits- Situationen genau so jung wie damals.
    Was das „Fallen“ im Alter angeht. Es gibt viele Möglichkeiten wie man im Alter seine fallende Flexilbilität wieder erlangen bzw ein üben kann (Aikido, Judo, Tai-Chi, Yoga usw)
    Ich „falle“ jetzt ins Bett und mache einen verjüngenden (Schönheits) Schlaf 😉

    Verfasst von Malabar | 17. September 2018, 23:18

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