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Marginalia

Ein rätselhaftes Weinblatt

Der wilde Wein ist zurzeit dabei, den Blättern wichtige Nährstoffe zu entziehen und für den Neustart im nächsten Frühjahr bereitzuhalten. Durch den Entzug des Blattgrüns, werden andere Farben sichtbar, die bisher durch das Grün überlagert wurden. Beim wilden Wein sind das insbesondere Anthocyane, die für das charakteristische Rot verantwortlich sind.
Im vorliegenden Fall (siehe Foto) sieht es so aus, als ob im Bereich der Überlagerung zweier Blätter ein besonderer Effekt die Rotfärbung wesentlich schwächer ausfallen lässt. Merkwürdigerweise tritt dabei so etwas wie ein „Antischatten“ auf. Die Kontour des (bezüglich der Einfallsrichtung des Lichts) hinteren Blatts zeichnet sich auf dem vorderen ab.
Zunächst dachte ich, dass es reiner Zufall sei. Denn wie sollte eine so massive Beeinflussung durch das hintere Blatt herbeigeführt werden, zumal keine dauernde Berührung der beiden betroffenen Blätter zu beobachten ist. Inzwischen bin ich allerdings verunsichert, da ich weitere ganz ähnliche Verfärbungen gefunden habe.
Wie dem auch sei, das Phänomen ist auffallend, nachdenkenswert und durch seine Wirkung als Symmetriebruch auch noch interessant. Beim rechten Blatt tritt der Effekt nicht auf, aber dort ist auch der Abstand zum hinteren Blatt deutlich größer.

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Diskussionen

12 Gedanken zu “Ein rätselhaftes Weinblatt

  1. sehr merkwürdig. Icch denke, wir werden jaetzt alle nach Beweisen suchen müssen….Also ich jedenfalls werde es tun.

    Verfasst von gkazakou | 28. September 2018, 00:19
  2. Vielleicht hat es war mich „Kälteschutz“ zu tun? Falls die Blätter auf die kältere Witterung mit Rotfärbung reagieren, und die Kälte vielleicht besonders von hinten/unten kommt, dann ist dieser Teil des vorderen Blatter durch das hintere geschützt. Man packt Pflanzen ja auch ein gegen den Frost… Bei der anderen Seite kommt durch den größeren Abstand ausreichend Kälte ans Blatt, um zur Verfärbung zu führen…?
    Aber vielleicht irre ich mich auch, ich weiß es natürlich nicht. Einen schönen Tag dir, und danke für diese interessante Beobachtung! 🙂

    Verfasst von ann christina | 28. September 2018, 08:11
    • Vielen Dank für die interessante Hypothese. In der Tat muss es ja irgendetwas mit der Verdeckung zu tun haben. Und thermische Effekte wären eine Möglichkeit. Wenn es aber ein thermischer Effekt ist, bleibt noch zu klären, wie siche dieser auf die Färbung/Entfärbung der Blätter auswirkt.
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

      Verfasst von Joachim Schlichting | 28. September 2018, 10:26
  3. Ich vermute, dass das jetzt hintere Blatt ursprünglich vor dem Blatt mit der gelben Verfärbung lag und die Verfärbung im Schatten passiert ist. Wind könnte die Blätter gezaust und die „Stapelung“ verändert haben. Mir scheint, am linken Rand scheint eine ähnliche, aber unschärfer umrissene Gelbfärbung unter dem darüberliegenden Blatt zu bestehen. Unschärfer deshalb, weil der Abstand vom verdeckenden zum verdeckten Blatt größer ist als es am rechten Rand der Fall wäre, wenn man das hintenliegende Blatt nach oben legen würde – die würden direkt übereinanderliegen, was einen scharfen Rand der Verfärbung erklären würde. Dass direktes Sonnenlicht bzw. dessen Abwesenheit einen Einfluss auf die Färbung von Blättern hat, kommt mir ohne weitere Recherche halbwegs plausibel vor.

    Auf dem zweiten Blatt von oben auf der rechten Seite meine ich, unter dem obersten Blatt einen ähnlichen unscharfen gelben Schatten zu sehen.

    Verfasst von gnaddrig | 29. September 2018, 23:25
    • Diese Vermutung hatte ich auch schon. Dafür spricht, dass an anderen Stellen des wilden Weins Verfärbungen auch in umgekehrter Stapelung auftreten. Mich irritiert jedoch, dass ähnliche Verfärbungen wie in dem Foto an mehreren Stellen auftreten, bei denen man die Abdeckung schon mit „Gewalt“ herbeiführen musste, sodass ein leichtes Hin und Her durch den Wind nur schwer vorstellbar ist. Andererseits finde ich auch keine andere plausible Erklärung für das hier beschriebene Phänomen, bzw. dadurch wurde es erst zum Phänomen, was ich für wert erachtetete publiziert zu werden.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 30. September 2018, 09:52
      • Um herauszufinden, wie es wirklich ist, müsste man sich da wohl mal eine bestimmte Stelle mit ähnlich übereinanderliegenden Blättern suchen und ab dem Spätsommer wöchentlich fotografieren und genau hinschauen, wie die Blätter liegen und was sich da wie verfärbt. Ich weiß nur nicht, ob ich dafür die Geduld hätte.

        Verfasst von gnaddrig | 30. September 2018, 10:00
      • Die Idee ist gut. Zum Glück muss ich sie in diesem Jahr nicht mehr durchsetzen. Die Blätter sind inzwischen weitgehend gefallen.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 30. September 2018, 10:24
  4. Eine sehr spannende Diskussion!

    Verfasst von andreaschopfbalogh | 1. Oktober 2018, 11:20

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