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Physik im Alltag und Naturphänomene, Rubrik: "Schlichting! "

Wenn Laub sich abwärts wiegt

H. Joachim Schlichting. Spektrum der Wissenschaft 10 (2018), S. 68 – 69


Die Luft umströmt fallende Blätter auf charakteristische Weise. Darum wiederholen sich auf dem Weg zum Boden oft einige typische Bewegungsfiguren.

 

Ein unabsehbar Blättermeer
entperlt dem Netz der Zweige

Christian Morgenstern (1871–1914)

Viele Menschen berührt es emotional, wenn die Bäume im Herbst ihr Laub verlieren. Seit jeher haben Dichter das Naturschauspiel thematisiert. So lässt beispielsweise Edmond Rostand seinen Cyrano de Bergerac über die Blätter sagen: » Wie schön sie fallen! Wie sie es verstehen, in diesen kurzen Weg vom Ast zur Erde eine letzte Schönheit zu legen, und trotz ihres Entsetzens darüber, auf dem Boden zu verfaulen, wollen, dass dieser Fall die Grazie eines Fluges habe.« Das formuliert poetisch die physikalisch interessante Beobachtung, dass die Blätter nicht nur regellos heruntertorkeln, sondern immer wieder regelmäßige Phasen offenbaren.
Studiert man das Phänomen etwas aufmerksamer, lassen sich bestimmte Grundformen ausmachen. Sie sind besonders gut bei Windstille zu erkennen. Neben dem chaotischen irregulären Fall trifft man häufig drei besondere Bewegungsfiguren an (siehe Abbildung …). Das ist erstens der waagerechte Fall, bei dem das flach in der Luft herabschwebende Blatt nur leicht um die horizontale Lage schwankt; zweitens der oszillierende Fall, bei dem die Blätter ziemlich gleichmäßig abwechselnd zur einen und zur anderen Seite wiegen; drittens der rotierende Fall, bei dem die Blätter stark zur Seite ausgelenkt werden und sich um sich selbst drehen…

PDF: Wenn Laub sich abwärts wiegt

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Diskussionen

5 Gedanken zu “Wenn Laub sich abwärts wiegt

  1. Als ich einmal am Rande eines Naturschutzgebietes entlang ging, fiel mir ein herabwirbelndes Blatt auf. Mir schien, dies sei ein Schmetterling, der das Herunterrieseln in seinem Flug vortäuschte. Jedenfalls, als ich herantrat, erhob sich ein Schmetterling an dieser Stelle.
    Traue ich der Natur ein Zuviel an Täuschungspotential zu? Kann sein.
    Klaus Lunau hat jedenfalls unglaubliche Beispiele an Mimikry aufgelistet. Vielleicht lag ich einfach im Bann dieses Buches, als ich da unterwegs war.

    Deinen 3. Fall im übrigen ist im Film Koyaanisquatsi der Schlußteil des Films. Weiß nicht, ob Du ihn kennst. Ein Stück einer Apollorakete wirbelt so wieder zur Erde.

    Verfasst von kopfundgestalt | 3. Oktober 2018, 00:11
    • Was das Thema Mimikry betrifft, so erlebt man wirklich unglaubliche Dinge. Das Buch von Klaus Lunau kenne ich zwar nicht, aber aus anderen Quellen und durch eigene Beobachtungen bin ich auf eindrucksvolle Beispiele aufmerksam geworden. Einige haben wir ja schon auf diesem Blog angesprochen.
      Was den Schmetterlingsflug und wirbelnde Blätter betrifft, so ist die Ähnlichkeit manchmal wirklich verblüffend. Auch Vögel und Blätter sind manchmal zum Verwechseln ähnlich.
      Den genannten Film kenne ich leider nicht, aber ich kann mir gut vorstellen, dass man sich bei dem Fall an die Physik gehalten hat.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 3. Oktober 2018, 09:30

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  1. Pingback: Einzugsbereich von Weinblättern | Die Welt physikalisch gesehen - 14. Oktober 2018

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