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Verschiedenes

Vom Winde verweht…

Geht es nach Theodor W. Adorno, so handelt es sich hier um ein Kunstwerk. Denn: „Aufgabe von Kunst ist es heute, Chaos in die Ordnung zu bringen“. Die gute bürgerliche Ordnung, die hier mit der aufwändigen Renovierung eines alten Bahnhofs wieder hergestellt wurde, ist im Begriff erneut vom Chaos befallen zu werden. Die Bedrohung kommt aus dem Untergrund. Zunächst noch etwas zögerlich schiebt sich ein Bäumchens aus einem ca. 80 cm tiefen Lichtschacht ans Licht (sic!). Ein vom Wind verwehter Ahornsamen ist durch das Rost hindurch in den Schacht gefallen und fand im Halbdunkel genügend Halt und Nahrung, um sein Leben als angehender Baum zu starten und dem Licht zuzustreben.
Offenbar  ist die Tür so lange nicht benutzt und der Schacht nicht gereinigt worden, dass dieses Kuriosum möglich wurde. Ich bin überzeugt, dass das wachsende Bäumchen auch mit der Enge zwischen den Eisensprossen zurecht kommen würde, indem es diese einfach in den dicker werdenden Stamm integrierte. Es sei denn – und das ist zu befürchten – jemand ist so ordnungsbeflissen und bereitet dem nunmehr ans Tageslicht geratenen Treiben der Natur ein Ende. Jetzt ist es noch eine Kleinigkeit, in ein paar Jahren, wenn der Baum die Fenster (nicht im Bild) verdunkelt und seine Wurzeln unter das Gebäude treibt, muss vermutlich schon ein Bagger zu Hilfe geholt werden.
Ich verfolge diese Entwicklung mit Interesse und bleibe am Ball.

 

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Diskussionen

11 Gedanken zu “Vom Winde verweht…

  1. Ja, spannend ….

    Verfasst von Myriade | 10. Oktober 2018, 00:29
  2. Das Bäumchen hat sich nicht gefragt, ob sich ein Leben so lohnen würde . Oder es sagte sich: In jedem Fall! Ich werde sicher zurechtkommen und es wird mir sogar gut gehen!

    Verfasst von kopfundgestalt | 10. Oktober 2018, 06:25
  3. Man könnte den Vorgang auch als agressiven akt verstehen.

    Verfasst von kopfundgestalt | 10. Oktober 2018, 07:57
    • …mit dem sich die Natur die bebauten Flächen zurückzuholen versucht?

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Oktober 2018, 09:27
      • Nein, ich meinte, Pflanzen setzen sich durch, auch gelegentlich zum Schaden anderer pflanzlichen Individuen (hier zwar nur Metall ). Das nennt man gemeinhin „Agression“.
        Es gibt aber Leute, die lehnen solche Begriffe für Pflanzen oder sogar Tiere ab. Täuschung, Lüge, Arglist kenne kein Tier – es macht einfach was es machen muß. ohne jedes Bewusstsein.

        Zurück zu der „eisernen“ Pflanze: Ich habe auch schon Fotos gesehen, in denen Pflanzen ein Rost aufbiegen, um durchzukommen.

        Verfasst von kopfundgestalt | 10. Oktober 2018, 21:37
      • Okay. Dass Mimikri so etwas wie Täuschung ist, kann wohl kaum einer bestreiten und auch, dass Pflanzen andere verdrängen ist allenthalben zu beobachten. Ob jedoch mein Bäumchen – es ist übrigens immer noch da – jedoch „weiß“, was es macht, fällt mir schwer zu glauben.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Oktober 2018, 10:05
  4. Typologisch bist du wohl (wie ich auch) mehr ein Beobachter als ein Täter. 😉 Sonst würdest du deine wissenschaftliche Neugier zügeln und das Bäumchen mitsamt der Erde (aber ohne das Gitter) an einen sicheren Ort tragen, wo es ungestört wachsen kann, anstatt seinem Schicksal tatenlos zuzuschauen.

    Verfasst von gkazakou | 10. Oktober 2018, 16:02
    • Das stimmt. Ich hätte zumindest an eine Rettungsaktion denken können, habe ich aber nicht. Es dominiert die Neugier, wie die Geschichte wohl weitergeht. Da ich von öfter von diesem Bahnhofstarke (obwohl das Gebäude inzwischen anderweitig genutz wird), kann ich den weiteren Prozess verfolgen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Oktober 2018, 17:16
  5. Das Bäumchen liesse sich doch noch einfach in eine Baumschule um-schulen 😉

    Verfasst von Malabar | 10. Oktober 2018, 16:20

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