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Physik im Alltag und Naturphänomene

Doppelschatten einmal anders

Dass der Mensch nicht nur seinen Schatten verlieren (man denke an den armen Schlemihl), sondern in bestimmten Situationen einen zweiten oder noch mehr Schatten erwerben kann, haben wir schon früher  gezeigt. Einen Doppelschatten der besonderen Art sieht man auf dem nebenstehenden Foto. Einen dunklen „Kernschatten“, der von einem ephemeren, transparenten und wesentlich größeren Schatten überlagert wird. (Die Ansicht gegebenenfalls durch Klicken auf das Bild vergrößern).

Im Unterschied zu den normalen Doppelschatten, die alle auf eine wie auch immer hervorgerufene Verdopplung der Lichtquelle zurückzuführen sind, gibt es hier nur eine Lichtquelle, die Sonne, die weder reflektiert noch auf irgendeine andere Weise in ihrer Wirkung verdoppelt wird. Aber in diesem Fall haben wir zwei Projektionswände, die Wiese im Hintergrund und der Schilfvorhang im Vordergrund. Weil die Wiese weiter entfernt ist und kein Licht durchlässt, ist der Schatten auf dieser Projektionswand kleiner und dunkler. Der von den nahen Schilfrohren aufgefangene Schatten ist hingegen durchscheinend, weil er gewissermaßen nur durch die Gitterstäbe des Schilfs festgehalten wird. Das meiste Licht geht durch. Und das ist auch gut so, denn anderenfalls wäre vom Schatten auf der Wiese nichts zu sehen.
Der durchlässige Schatten auf dem Schilf ist größer als der dunkle Schatten auf der Wiese, weil er näher beim Beobachter ist und sich die perspektivische Verkleinerung noch nicht so stark bemerkbar macht. Dies ist entscheidend für die Wahrnehmung des Phänomens. Würden die Schatten zusammenfallen, wäre von der auf den ersten Blick merkwürdig erscheinenden Dopplung nicht zu sehen.
Als ich meinen plattdeutschen Begleiter auf das Phänomen aufmerksam machte, meinte er bewundernd (?): Watt nich allns gift. Recht hat er.

 

Diskussionen

11 Gedanken zu “Doppelschatten einmal anders

  1. Diesmal sogar ein recht einfaches Phänomen – oder hast Du es nur „einfach und trefflich“ erklärt?
    Ja, merkwürdig, das mit den zwei Ebenen. Wie wäre es, wenn das Schilf einen Teil des Lichts durchlassen würde? Wäre der Wissenkopf gezebrat? Wohl schon!

    Gefällt!!

    Verfasst von kopfundgestalt | 23. Oktober 2018, 00:16
  2. Na so wat!

    Verfasst von gkazakou | 23. Oktober 2018, 09:37
  3. toll!
    und sehr fein erläutert, wie so oft auf deinem blog, lese hier sehr gern!
    liebe grüße von diana

    Verfasst von versspielerin | 23. Oktober 2018, 17:28

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  1. Pingback: Schattendasein | Die Welt physikalisch gesehen - 11. Dezember 2019

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