//
Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Harztränen im Sonnenlicht

Das Foto zeigt einen Ausschnitt der Schnittfläche eines gefällten Baums. Aus den Poren dringt Harz heraus und formt sich zu einzelnen Tropfen, die wie Wassertropfen aussehen und auch ein ähnliches optisches Verhalten in der Sonne zeigen. Sie wirken wie eine Sammellinse und fokussieren das Sonnenlicht in einem Brennfleck. Da auf diese Weise das Licht an anderer Stelle fehlt, werfen die Tropfen trotz ihrer Durchsichtigkeit einen Schatten.
Man muss nicht befürchten, dass durch die Brennflecken das Holz entzündet werden könnte. Denn zum einen ist der Fokus nicht scharf genug und bleibt durch die Bewegung der Sonne nicht lange genug auf derselben Stelle. Zum anderen ist die Entzündungstemperatur des Holzes vergleichsweise hoch und die Wärmekapazität des dicken Stamms sehr groß.
Wer genau hinschaut wird vielleicht auch noch entdecken, dass der blaue Himmel in den glänzenden Tropfen gespiegelt wird (ggf. zur Vergrößerung auf das Bild klicken).
Die Harztropfen zeigen eine wesentlich nachhaltigere Anhänglichkeit als Wassertropfen. Wenn man sie mit dem Finger berührt, wird man sie so leicht nicht wieder los, denn sie sind in Wasser nicht löslich und daher schwer abwaschbar. In Naturfarben werden natürliche Harze auch noch heute verwandt. Ansonsten sind sie weitgehend von synthetischen Materialien verdrängt worden.
Ganz unabhängig von dieser wortreichen Einlassung finde ich das Bild einfach schön.

Diskussionen

9 Gedanken zu “Harztränen im Sonnenlicht

  1. Ich hatte einst auch einige Harztropfen portraitiert.
    Es lohnt sich!

    Verfasst von kopfundgestalt | 29. Oktober 2018, 01:41
  2. Ja, das stimmt auch, das Bild ist einfach schön :)!

    Verfasst von Veronika | 29. Oktober 2018, 09:01
  3. … finde ich das Bild einfach schön. Dem Wortreichen folge ich auch gern und ergänze es wortreich: Hier in Griechenland wird immer noch das Harz der Pinien gesammelt – Grundlage für feinstes Terpentinöl, Fixativ und Kolophonium, mit dem man die Geigenbögen bestreicht, und für einiges mehr. Früher lebten ganze Dörfer davon. Auf Chios ist der Harz des Mastixbusches ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, neuerdings mit wachsender Produktpalette, Grad lutsche ich einen Mastixbonbon, der dem Magen gut tut.

    Verfasst von gkazakou | 29. Oktober 2018, 10:23
    • Danke, liebe Gerda, für deine Ergänzungen. Mir fällt dadurch angeregt noch ein, dass wir auf unseren Griechenlandaufenthalten gerne den harzhaltigen Retsina getrunken haben. Was doch so ein paar glänzende Harztropfen an Gedanken freisetzen können!

      Verfasst von Joachim Schlichting | 29. Oktober 2018, 11:30
      • Sieh mal an, den Retsina hab ich ganz vergessen! Er ist hier arg aus der Mode gekommen. Früher hatten wir eine Nacbarin, die sich noch der Mühe unterzog, die großen Weinfässer mit dem retsiniertrn Wein zu leeren, auszuschrauben und mit dem Wein der neuen Ernte zu füllen. Ein paar alte Männer saßen im Hinterdtübchen, die leicht verbeulten messinggelben Weintöpfchen auf dem gehobelten Holztisch…. Erinnerungen

        Verfasst von gkazakou | 29. Oktober 2018, 16:24
      • Du hast Recht, die Retsina-Zeit hatte bei mir ihren Höhepunkt während und kurz nach dem Studium. Heute ist nur noch in Erinnerung an die guten alten Zeiten davon die Rede.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 29. Oktober 2018, 17:29
      • verzeih die vielen Fehler. Es muss natürlich „ausschrubben“ heißen.

        Verfasst von gkazakou | 29. Oktober 2018, 20:08
  4. Für mich ist der Harzduft einer meiner Lieblingsdüfte. Pech ist nur, wenn man sich auf das klebrige Harz setzt 😉 Ansonsten kann man das rauchende Harz äusserlich als Körper- und Raumreiniger ein setzten.
    Im Internet habe ich u.a diese interessante Seite gefunden.
    „Das Glück namens Pech aus dem Wald – Harzsalbe zur Wundheilung“
    https://www.mitliebegemacht.at/blog/harzsalbe-zur-wundheilung/

    Verfasst von Malabar | 31. Oktober 2018, 10:17

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Photoarchiv

%d Bloggern gefällt das: